Harmonisch, symmetrisch, klassisch

01.07.2026 |

Die Epoche des Klassizismus hatte ihre Vorbilder in der Kunst der Antike. Auch im Erzbistum Freiburg kann man einige architektonische Meisterwerke dieses Kunststils bewundern ...

Die Kuppel des Doms von St. Blasien trägt beeindruckende Züge. Sie hat eine Spannweite von 36 Metern und gehört damit zu den größten Europas. Für den klassizistischen Kuppelbau gibt es ein antikes Vorbild: das römische Pantheon.
 
In dieser Folge von Kunst und Kirche geht es klassisch zu. Sie beschäftigt sich nämlich mit dem Kunststil des Klassizismus. Dieser erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa 70 Jahren, von 1770 bis 1840. Er folgte auf die Epoche des Barocks und des Rokokos. Bei fast allen Kunststilen und Epochen ist jedoch immer festzuhalten: Das sind zum einen Einteilungen, die Jahrhunderte später vorgenommen wurden. Und zum anderen sind die Übergänge von der einen Epoche in die nächste immer fließend. 

Im Namen des Klassizismus steckt schon der Hinweis, was sich hinter dem Kunststil verbirgt: Und zwar ist es eine künstlerische Hin- oder besser Rückwendung zu der römischen und griechischen Kunst der Antike: der Klassik eben. In der Architektur, in der Bildenden Kunst und auch in der Literatur (beispielsweise beim Drama) versuchte man sich an antiken griechischen und römischen Vorbildern zu orientieren. Dies geschah auch schon zu anderen Zeiten, ob in der Renaissance oder in der Romanik. Der Klassizismus stellte aber nun vor allem einen Gegenentwurf zum prunkvollen, teils überladenen Kunststil des Barocks dar. Und die Vorbilder wurden auch nicht plump kopiert, sondern vielmehr ging es darum, anhand von ihnen einen neue Formensprache zu gewinnen. 

Die leitenden Ideale des Klassizismus waren Begriffe wie Klarheit, Harmonie oder auch Einheitlichkeit. Einer der wichtigsten Begründer und Wegbereiter für den Klassizismus war der deutsche Gelehrte Johann Joachim Winckelmann. Er setzte sich intensiv mit der griechischen und römischen Kunst auseinander, verbrachte viele Jahre in Italien, wo er auch den Ausgrabungen in Neapel und Pompeji beiwohnte. Winckelmann prägte die Vorstellungen von der griechischen und römischen Kunst mit dem Ausdruck der „edlen Einfalt und stillen Größe“. 

Brandenburger Tor, Kapitol, Triumphbogen und Co.

Typisch klassizistische Bauwerke sind das Brandenburger Tor, der Arc de Triomphe in Paris oder dort auch das Panthéon, das zunächst als Kirche geplant war und dann zur nationalen Ruhmeshalle wurde. Außerhalb Europas ist das bekannteste klassizistische Bauwerk wahrscheinlich das Kapitol in Washington D.C. in den USA. Typische Merkmale des Klassizismus sind monumentale Säulenordnungen oder Säulenvorhallen (sogenannte Portiken), klare geometrische Formen, Symmetrie, Dreiecksgiebel und helle, klare Innenräume und der dezente Einsatz von Schmuckelementen.

Auch zahlreiche klassizistische Kirchen entstanden in der Epoche. Ein Beispiel für die frühe Phase des Klassizismus ist in unseren Gefilden der Dom von St. Blasien. Nicht nur seine beeindruckende Kuppel ist typisch klassizistisch. Der „Schwarzwälder Dom“ hat das römische antike Pantheon zum Vorbild. Ebenso wie die Kirche St. Stephan in Karlsruhe. Errichtet wurde diese nach den Plänen des Architekten Friedrich Weinbrenner. Nach dem Karlsruher Architekt und Städteplaner wurde sogar ein eigener Stil benannt, der Weinbrenner-Stil (vor allem durch eines seiner Hauptwerke, die evangelische Stadtkirche in Karlsruhe). Auf einer Italienreise hatte sich Weinbrenner zu dem Bau von St. Stephan inspirieren lassen. Geplant hatte er die Kirche eigentlich ohne Turm, auch aus Gründen der Symmetrie, schließlich war der Wunsch des Großherzogs für einen Turm jedoch zu mächtig. 
 
Daniel Gerber