Vor dreißig Jahren begann eine Gruppe von sieben Frauen und sieben Männern ihre Berufsausbildung zu Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Noch heute halten sie Kontakt und treffen sich regelmäßig. Zum Jubiläum in diesem Jahr in Maria Lindenberg ...
Sie sind „ein Geschenk für unsere ganze Diözese“, sagt Weihbischof Paul Wehrle. Es ist ein durchwachsener Sommer im Südwesten im Jahr 1998. Am 18. Juli aber scheint die Sonne für Dorothea Welle, Sabine Müller, Stefan Bonath und die anderen neun Frauen und Männer, die vorne am Altar in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Offenburg stehen. Schließlich ist es ein besonderer Tag für sie: Heute werden sie zu Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten beauftragt. Drei Jahre Berufsausbildung als Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten liegen hinter ihnen. Und vor ihnen liegt ihre berufliche Zukunft in der pastoralen Arbeit. Gut, bei seinen Worten fügt Weihbischof Paul Wehrle noch hinzu: „Keiner kann sagen, wie die zukünftige pastorale Landschaft aussehen wird.“
Viele Sommer sind seitdem ins Land gezogen … Zwei Milane ziehen ihre Kreise am blauen Himmel. Nur einzelne weiße kleine Wolken leisten ihnen Gesellschaft. Die Spitze des Feldbergs ist noch ein wenig weiß gestäubt. Ansonsten strotzt der Frühling auf dem Lindenberg. Für dieses Wetter ist der Franziskussaal des Hauses Maria Lindenberg mit seiner Glasfront einst geschaffen worden. Hier sitzen, in großzügigem Stuhlkreis, einige jener Frauen und Männer, die damals in der Kirche beauftragt wurden.
Sind über die Jahre immer im Kontakt geblieben: die Pastoralreferentinnen und -referenten, die vor 30 Jahren mit ihrem Ausbildungskurs begonnen haben. Von links: Gabriele Trapp, Heribert Scherer, Dorothea Welle, Susanne Lindinger, Ingrid Maile, Stefan Bonath und Sabine Müller.
Der Kontakt zwischen ihnen ist in all den Jahren nicht abgebrochen. Regelmäßig haben sie sich seit ihrer Beauftragung, meistens einmal im Jahr, für einen Tag getroffen. In diesem Jahr sogar für mehrere Tage, es ist auch ein besonderes Datum. Denn vor 30 Jahren haben sie ihre Berufsausbildung begonnen. Das wollten sie entsprechend würdigen. Sich in Maria Lindenberg zu treffen, lag nahe: Da ist es nicht nur wunderschön, da ist Dorothea Welle auch zuständig für die Friedensarbeit und Exerzitien – und so ist der Organisationsaufwand auch überschaubarer.
Den Glauben zum Beruf machen
Wenn die Gruppe zurückblickt auf die jungen Männer und Frauen von damals – alle Ende 20, Anfang 30 – dann fallen Sätze wie: „Ich wollte etwas ändern“, „Ich war neugierig“ oder auch, wie bei Dorothea Welle: „Wow, dachte ich, ich kann meinen Glauben zum Beruf machen.“ Und bei Susanne Lindinger schwang vielleicht so etwas wie Genugtuung mit: Als Kind durfte sie noch keine Ministrantin werden und jetzt – war sie Pastoralreferentin.
Und wenn die Frauen und Männer über ihre Arbeit in den vergangenen drei Jahrzehnten sprechen, dann fallen Sätze wie „voller Leben, bereichernd“, „ich habe unglaublich viele Felder durchschritten“, „ich bin Seelsorger durch und durch“, „ich kann nahe bei den Menschen sein“, „ich bin mit vielen Menschen in Kontakt“, „das ist ein wunderbarer Boden, auf dem ich tätig bin“. Oder auch: „Unser Beruf bietet so viel Freiraum, Sachen zu gestalten und damit auch Freiraum für die eigene persönliche Entwicklung.“ Aber auch Sätze wie: „mit dem Missbrauch, der in unserer Kirche geschehen ist, wurde mein Grundvertrauen erschüttert“, „manchmal fühlt es sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen“.
Ein Beruf mit großer Bandbreite
Gleichzeitig zeigen die beruflichen Biografien aller, wie vielfältig der Beruf des Pastoralreferenten und der Pastoralreferentin ist. Die Bandbreite reicht von der klassischen Arbeit in der Kirchengemeinde über die Arbeit in der Klinikseelsorge, in der City-Pastoral, bis hin zur Arbeit im Institut für Pastorale Bildung oder – wie bei Stefan Bonath – im Erzbischöflichen Seelsorgeamt. Dort leitet er unter anderem das Referat Pastorale Projekte und Grunddienste und war damit über die vergangenen Jahre auch maßgeblich am Prozess der Kirchenentwicklung 2030 beteiligt. Ein Prozess, der natürlich auch die Arbeit der anderen beeinflusst. Manchmal werde bei ihren Treffen auch diskutiert, aber sie betonen mit einem Schmunzeln: „Türen wurden noch nie geknallt.“
Wenn sie erzählen von diesen 30 Jahren, dann ist das wie ein Vergrößerungsglas, das noch einmal sichtbarer macht, was sich in der Kirche in dieser Zeit verändert hat. Wie die Einheiten immer größer wurden, bis zum jetzigen Zeitpunkt mit den 36 Pfarreien. Oder wie sie erlebt haben, wie im Laufe der Jahre immer stärker auf das Geld geschaut wurde. „Das Sparen ist im Laufe der Zeit immer maßgeblicher geworden.“ Sie erlebten, wie Häuser geschlossen, Einrichtungen zusammengelegt wurden. Und sie erlebten natürlich an ihrer eigenen Arbeit auch den immer spürbarer werdenden Personalmangel. Angefangen dabei, dass ihnen als Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen mehr Aufgaben und Verantwortlichkeiten übertragen wurden. Beispielsweise, dass ihre Berufsgruppe zu einer wichtigen, oder treffender formuliert, einer unverzichtbaren Säule im Beerdigungsdienst geworden ist. Und nicht nur dort: Susanne Lindinger erzählt die nette Anekdote, wie sie von einer älteren Gläubigen mal als „Frau Pfarrerin“ angesprochen wurde.
Der erste Ausbildungskurs, der paritätisch besetzt war ...
„Wir waren der erste Ausbildungskurs, der paritätisch besetzt war, sieben Frauen, sieben Männer“, erzählen sie. Gabriele Trapp ist eine der sieben Frauen, die damals beauftragt wurde. Heute hat sie eine 50-Prozent-Stelle als Pastoralreferentin in der neuen Pfarrei Hochrhein-Südschwarzwald und eine 50-Prozent-Stelle beim Erzbischöflichen Seelsorgeamt in der Abteilung III, Erwachsenenpastoral „Frauen – Männer – Gender“ und ist dort für die Diözesanstelle Hochrhein für die „Frauen*pastoral“ zuständig. Schon die Tatsache, dass es diese Abteilungen, diese Namen mit Gendersternchen heute gibt, zeigt, was sich unter anderem in der katholischen Kirche in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren geändert hat. Und dennoch erlebt Gabriele Trapp bis heute, dass es in der Kirche keine Geschlechtergerechtigkeit gibt. Die anderen Frauen nicken. Auch die Männer. „Ich habe das Frauenbild in der Kirche schon früh als diskriminierend erfahren“, erzählt Trapp. Damals habe sie auch den Antrieb und den Wunsch verspürt: „Das ändern wir!“ Und heute? Gabriele Trapp kann nicht verleugnen, dass sich eine gewisse Ermüdung bei ihr eingestellt hat. Nicht selten fühle es sich an, wie gegen Windmühlen zu kämpfen.
Ähnliches hat auch Sabine Müller immer wieder erlebt. Die entscheidende Frage dabei für sie: Was ist das Wesen der Kirche? Wie gestaltet sich dieses Wesen aus? „Ich habe oft mit ihm gestritten und gerungen“, erzählt sie. Er, das ist Gott, mit dem sie im Gebet auch über dieses „Wesen der Kirche“ gerungen hat.
Deshalb aufgeben, das Handtuch schmeißen? Das kommt für keine der Pastoralreferentinnen in Frage. Dazu tragen auch die Hoffnungsschimmer bei, dass sich eben doch etwas ändert. „Dass Frauen selbstständiger und mutiger geworden sind, dass es beispielsweise Leitende Referentinnen gibt, dass Frauen widerständiger geworden sind.“
Eine ziemlich gute Quote
Was man bei ihnen allen noch spürt: Einerseits ein Ringen mit der Kirche, andererseits die Leidenschaft für sie. Und vor allem: die Leidenschaft, sich für ihre Botschaft einzusetzen. „Die ist doch einfach gut und überzeugend.“ Und das ist sicherlich bemerkenswert: Von allen, die damals den Ausbildungskurs absolviert haben und beauftragt wurden, ist nur eine Person nicht mehr im pastoralen Dienst tätig. Eine ziemlich gute Quote. So gilt noch immer, was sie damals in ihrer Bereitschaftserklärung formuliert hatten: „Wir sind bereit, mit unseren theologischen und seelsorglichen Fähigkeiten Menschen in ihren Lebenssituationen und in ihrer Suche nach Gott zu begleiten und zu ermutigen. Dabei wollen wir auf die Menschen zugehen und mit ihnen Hoffnung und Zuversicht für ihr und unser Leben entdecken.“