Zwischen Kuhstall und Eislabor: Neues auf dem Hof

29.07.2026 |

Eine Jung-Landwirtin plante ihre Eismanufaktur, viele zweifelten. Heute verkauft sie Zehntausende Eisbecher und führt den Familienbetrieb mit. Ihre Geschichte passt zum laufenden Jahr der Frauen in der Landwirtschaft.

Da bekommt man gleich Appetit: Veronika Larranaga Schneider präsentiert eines ihrer Werke, das in der Eismanufaktur entstanden ist.
 
Auf dem Baumert-Hof herrscht im Sommer viel Betrieb. An Automaten ist handgemachtes Eis rund um die Uhr zu haben. Kunden legen auch Joghurt, Eier und Milch in den Einkaufskorb. Unweit des Eispavillons mit Gartenstühlen bereitet Veronika Larranaga Schneider die Produktion für den nächsten Tag vor. Vor der ländlichen Eismanufaktur stapeln sich Kartons mit Pappbechern. Die 32-Jährige gehört zur dritten Generation des Familienbetriebs im badischen Achern.

Vor fünf Jahren gründete die Landwirtin das Start-up „Vroni‘s Eiszeit“. Es war keine Spontan-Aktion während der Corona-Pandemie, wie sie betont. Sie habe das Projekt vielmehr längere Zeit vorbereitet. In ihrer Jugend habe sie sogar mit dem Gedanken gespielt, sich zur Konditorin ausbilden zu lassen.

Angeboten werden die Becher nicht nur an Ort und Stelle, sondern auch bei rund 50 Wiederverkäufern am schmucken Westrand des Schwarzwalds zwischen Baden-Baden und Offenburg. Besonders gut läuft demnach eine Eigen-Kreation aus Vanilleeis, Sahne, Erdbeersoße und weißen Schokostreuseln.

„Die Banken haben mich belächelt. Die haben es mir nicht abgekauft“, erinnert sich die Unternehmerin. Gemeinsam mit ihrem Vater Karl-Philipp und ihrem Bruder Raphael führt sie den landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Grünland und Viehzucht in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Diese gilt als eine besonders einfache und flexible Rechtsform.

„Auch eine Frau kann einen Hof führen“, lautet das Credo der Mutter einer dreijährigen Tochter. Diese Botschaft sei aber noch nicht überall angekommen. Wenn der Außendienst einer Firma auf den Hof komme, laute häufig die Frage, wo denn der Chef sei, berichtet die junge Frau. „Meine Antwort lautet dann: ‚Der Chef steht vor dir.‘“

Bäuerinnen sollen nach den Willen der Vereinten Nationen weltweit gestärkt werden. Die UN erklärten deshalb das Jahr 2026 zum „Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“. Gleichstellung – so lautet das Zauberwort. Frauen leisten zwar weltweit knapp 40 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit, wie der Deutsche Landfrauenverband berichtet. Wenn es jedoch um Land, Saatgut und Kredite geht, haben sie häufiger das Nachsehen.

In Europa ist das Management immer noch eine Männerdomäne: Frauen sind beim Führen von landwirtschaftlichen Betrieben in der Europäischen Union (EU) mit 31,5 Prozent in der Minderzahl, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat herausgefunden hat. Deutschland gehört mit einem unterdurchschnittlichen Frauenanteil von 11,2 Prozent zu den Schlusslichtern – wie die Niederlande, Irland, Dänemark und Finnland.

Angesichts dieser Lage schaltet sich in Deutschland ein Bündnis aus dem Agrarbereich ein. Beklagt werden Hürden beim Übernehmen von Betrieben und dem Aufstieg in Führungspositionen. Beim Verteilen von Aufgaben und der Hofnachfolge müsse es um Kompetenz gehen, nicht um das Geschlecht, heißt es in einem Papier.

Der Baumert-Hof in Achern ist da offensichtlich schon weiter. Die Familie will trotz stark schwankender Milchpreise die Zahl der Kühe halten, wie Larranaga Schneider erzählt. Auch solle neu gebaut werden. Bisher liegt der Betrieb nach eigenem Bekunden bei der Haltungsform auf Stufe 3 („Frischluftstall“) und damit im Mittelfeld.

Im laufenden Jahr will „Vroni“, wie sie in der Region kurz genannt wird, erstmals die Marke von 100.000 verkauften kleinen Eisbechern knacken. Über das Eis gehen bisher pro Jahr ungefähr 10.000 Liter Milch direkt an Kundinnen und Kunden. „Das ist die rechnerische Leistung einer Kuh – und im Verhältnis nicht viel“, gibt die Agrarmanagerin zu bedenken. Auch deshalb soll die Eigenvermarktung weiter ausgebaut werden.

Von einem Acht-Stunden-Tag und einer Fünf-Tage-Woche kann die Gründerin nur träumen. Sie verkauft zwar gerne und bezeichnet sich selbst als fordernd. Gleichzeitig räumt sie aber ein, sich bei ihren zahlreichen Aufgaben auf dem Hof und in der Familie gelegentlich zu übernehmen: „Eisverkauf, Stall, Kind. Da kommen manchmal Zweifel auf.“
 
Christian Böhmer