Ein Fest, geprägt von Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht – das ist alljährlich das Hochfest „Mariä Himmelfahrt“. Im Morretal hat die Verehrung der Gottesmutter eine lange Tradition. Das ganze Dorf ist davon geprägt.
Lichterprozession zum Marienfest in Hettigenbeuern: Traditionelle Kräuterweihe und festlich geschmückte Altäre spenden den Gläubigen auch in schwierigen Zeiten Hoffnung, Trost und Gemeinschaft.
Gerade in einer Zeit, die vielerorts von Unsicherheit, Kriegen, Krisen und den Herausforderungen des Klimawandels geprägt ist, kann diese gewachsene kirchliche Tradition für viele Menschen Halt und Orientierung geben. Viele Menschen wenden sich heute von der Kirche ab, Kirchenbänke werden leerer. Dazu kommt es, dass das Marienfest mitten in die Ferienzeit fällt und somit nicht unter den einfachsten Vorzeichen steht. Dennoch finden sich Jahr für Jahr Gläubige und Gäste zusammen, um den Festtag gemeinsam zu feiern. Die Fürbitte der Gottesmutter Maria hat schließlich schon in früheren schwierigen Zeiten vielen Menschen Trost, Hoffnung und Kraft geschenkt.
„Segne Du Maria“ – dieses bekannte Marienlied bringt das Vertrauen vieler Gläubiger auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck. Es vermittelt die Hoffnung, dass Gott auch in schwierigen Zeiten seinen Menschen nahe ist. Auch wenn Leid und Sorgen zum Leben gehören, schenkt der Glaube Kraft, Zuversicht und inneren Frieden. „Segne mich, Dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find“, heißt es in dem bekannten Lied – ein Wunsch, den wohl viele Menschen in ihrem Herzen tragen.
Der Festgottesdienst beginnt am Samstag, 15. August, um 20 Uhr in der Pfarrkirche St. Johannes und Paulus. Im Mittelpunkt steht die traditionelle Kräuterweihe, ein jahrhundertealter Brauch, der an die Fülle der Schöpfung und die Heilkraft der Natur erinnert. Die Gläubigen bringen ihre liebevoll gebundenen „Würzbüschel“ mit, die unter anderem mit Johanniskraut, Beifuß, Wermut und weiteren Heilkräutern gefüllt sind. Mit der Segnung werden sie zu einem Zeichen des Dankes für die Gaben der Natur und des Vertrauens auf Gottes Segen. Pfarrer Frederik Reith wird den Festgottesdienst zelebrieren und die Festpredigt halten.
Die Heddebörmer Musikanten sowie der gemischte Chor des Gesangvereins „Harmonie“ gestalten den Gottesdienst und die anschließende Prozession musikalisch mit und tragen so zu einer festlichen Atmosphäre bei.
Im Anschluss an den Gottesdienst zieht die Gemeinde mit einer Lichterprozession zum Bildstock der Schmerzhaften Muttergottes durch den festlich geschmückten Ort. Diese Prozession ist ein eindrucksvolles Glaubenszeugnis. Wenn die Kerzenlichter durch die Straßen ziehen und Marienlieder erklingen, entsteht eine ganz besondere Stimmung der Besinnung, des Gebets und der Gemeinschaft, die viele Teilnehmer jedes Jahr aufs Neue tief berührt.
Zur langen Tradition gehören auch die liebevoll gestalteten Marienaltäre, die entlang des Prozessionsweges errichtet werden. Sie verleihen der Prozession seit Generationen ihr unverwechselbares Gesicht und machen den Marienfeiertag in Hettigenbeuern weit über die Ortsgrenzen hinaus zu etwas ganz Besonderem. Die Altäre werden mit Blumen, Kerzen und Marienfiguren gestaltet und zeugen von einer tief verwurzelten Marienverehrung.
Diese schöne Tradition ist nicht selbstverständlich, weil viele ältere Einwohner, die sich jahrzehntelang mit großem Einsatz darum gekümmert haben, inzwischen verstorben sind oder den damit verbundenen Aufwand nicht mehr bewältigen können. Trotzdem hoffentlich auch in diesem Jahr wieder einige Altäre zur Ehre der Gottesmutter errichtet. Die vielen Lichter, die an diesem Abend zu Ehren der Gottesmutter erstrahlen, sind zugleich ein sichtbares Zeichen des Glaubens, der Hoffnung und der Verbundenheit der Menschen im Morretal.
Von der tiefen Marienverehrung in der Region zeugen bis heute auch die zahlreichen der Gottesmutter geweihten Bildstöcke in den Fluren des Madonnenländchens. Die Marienkapelle an der Straße nach Buchen ist seit vielen Jahren ein Ort des Gebets und der stillen Einkehr. Dort entzünden zahlreiche Gläubige eine Kerze, vertrauen ihre Sorgen und Anliegen der Gottesmutter an oder tragen sich in das Fürbittbuch ein. Dass vor einiger Zeit dort der Opferstock aus der Wand gerissen wurde ist traurig, hoffentlich wird dieses Loch in der Wand bald repariert. Seit einigen Jahren besitzt Hettigenbeuern zudem eine zweite Marienkapelle. Im Tal in Richtung Zittenfelden entstand, eingebettet in einen Besinnungsweg, ein weiteres Kleinod, das viele Menschen zum Verweilen, Beten und Nachdenken einlädt. Beide Kapellen zeigen eindrucksvoll, dass der Glaube und die Marienverehrung im Morretal auch heute noch lebendig sind.