Alwin Thoma ist im Erzbistum Freiburg seit 34 Jahren Fahrer von Bischöfen, Domkapitularen und dem Generalvikar. Lange bevorzugte er den Verbrenner. Heute setzt er auf Elektromobilität.
„Über kurz oder lang wird sich die E-Mobilität durchsetzen.“ Fahrer Alwin Thoma und „sein“ elektrisch betriebener Hjundai Ioniq 5 im Innenhof des Collegium Boromaeum. Das „EO“ auf dem Nummernschild steht natürlich für „Erzbischöfliches Ordinariat“.
Wenn Kenner der Formel 1 das Wort „Fahrerlager“ hören, dann haben sie ein ziemlich klares Bild vor Augen: Es handelt sich dabei um eine gesicherte Zone direkt hinter den Boxengassen. Hier bauen die einzelnen Teams ihre „Motorhomes“ auf. Das sind überaus luxuriöse Gebäude mit Küchen, einer Bar, Essensbereichen und Aufenthaltsräumen für alle, die im Rahmen der jeweiligen Rennen eine wichtige Funktion haben. Von den Fahrern selbst über die Medienleute bis hin zu Ingenieuren und Mechatronikern. Diese „Motorhomes“ sind mobil. Sie werden während der Saison mit riesigen LKWs zu den verschiedenen Rennstrecken gefahren und dort immer neu aufgebaut. Exklusive Einblicke sind grundsätzlich möglich, aber teuer. Je nach Austragungsort des Rennens können sie bis zu 25 000 Euro kosten.
Dass auch das Erzbischöfliche Ordinariat über ein „Fahrerlager“ verfügt, mag manche überraschen. Aber das kleine Gebäude am Ende der Garagen im Innenhof des Collegium Borromaeum in Freiburg ist eindeutig als solches gekennzeichnet: „Fahrerlager“ steht auf einem kleinen Schild an der Fassade. Der Raum selbst ist gleichzeitig so etwas wie das „Motorhome“ des Ordinariats. Der Aufenthaltsbereich der Fahrer, also der Männer, die Woche für Woche mit dem Erzbischof, den Weihbischöfen, dem Generalvikar oder den Domkapitularen im weitläufigen Erzbistum unterwegs sind. Anders als bei der Formel 1 kostet der Eintritt ins diözesane „Motorhome“ nichts. Auch von Luxus kann hier nicht die Rede sein. Es gibt nur einen Computer, ein Telefon, eine Kaffeemaschine und eine Sitzecke mit einem kleinen Tisch.
Seit 1992 saßen die meisten Freiburger Bischöfe mal bei Alwin Thoma im Auto
Alwin Thoma zeigt auf die Bilder von Päpsten und Bischöfen, die schön gerahmt an den Wänden hängen. Lebende wie verstorbene Würdenträger, gruppiert um ein Kruzifix in der Ecke. Die Erzbischöfe Oskar Saier, Robert Zollitsch und Stephan Burger sind zu sehen, ebenso Weihbischöfe wie Wolfgang Kirchgäßner, Bernd Uhl oder Paul Wehrle. Die meisten von ihnen saßen irgendwann mal bei Alwin Thoma im Auto. Manche regelmäßig, manche eher ausnahmsweise.
Alwin Thoma gehört fast schon zum Inventar des „Fahrerlagers“. Der gelernte Metallbauer aus Ebringen bewarb sich 1992 für eine vom Erzbischöflichen Ordinariat ausgeschriebene „geteilte Stelle“. Mit Erfolg. Zu jeweils 50 Prozent arbeitet er seitdem im Erzbischöflichen Archiv und eben im Fahrdienst.
Generalvikar Christoph Neubrand der häufigsten Fahrgast
Nach seinem Dienstantritt 1992 war Thoma vornehmlich mit dem Ruhestandsbischof Theodor Leitz unterwegs. Der Franziskaner stammte aus Karlsruhe und war von den frühen 1970er-Jahren an bis zu seiner Emeritierung 1990 Bischof der brasilianischen Diözese Dourados. Nach seiner Emeritierung zog er nach Sigmaringen und brachte sich im Erzbistum insbesondere als Firmspender ein. „Ich fuhr dann immer morgens von Freiburg nach Sigmaringen, um ihn abzuholen. Dann ging es dorthin, wo die Firmung stattfand“, sagt Alwin Thoma.
Auch in der Folgezeit hatte es der heute 61-Jährige vor allem mit Bischöfen als Fahrgästen zu tun. Zunächst mit Weihbischof Kirchgäßner, ab 2002 noch rund fünf Jahre lang mit dem damals ebenfalls bereits emeritierten Erzbischof Oskar Saier und schließlich mit Weihbischof Bernd Uhl – bis zu dessen Ruhestand 2018. Fortan avancierte Generalvikar Christoph Neubrand zum häufigsten Fahrgast von Alwin Thoma. Das gilt bis heute.
Nie schneller als 130 Stundenkilometer – um der Reichweite willen
Ein kaum zu überschätzender technischer Wechsel kam später dazu: Als 2023 die Anschaffung eines neuen Dienstwagens anstand, musste der langjährige Mercedes-Fahrer Alwin Thoma feststellen, dass die Leasing-Raten für das Auto mit dem Stern ums Dreifache gestiegen waren. „Das ging nicht“, sagt er. Erstmals zog er daraufhin die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs in Betracht. Um dann allerdings festzustellen, dass sich die deutschen Modelle leider durch eine extrem lange Lieferzeit und allzu hohe Preise auszeichneten. Daraufhin wandte sich Thoma an einen Hjundai-Händler. Und tatsächlich wurde er bei dem südkoreanischen Hersteller fündig. Fortan stand in der ersten Garage auf der linken Seite des CB-Innenhofs ein „Hjundai Ioniq 5“. Dort befindet sich auch das Ladegerät.
Die Entscheidung für dieses elektrisch betriebene Fahrzeug hat Alwin Thoma nie bereut. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt“, sagt er. Mit einer Reichweite von rund 420 Kilometern in der warmen Jahreszeit und 320 Kilometern im Winter sei das Fahrzeug „batteriemäßig top“ gewesen. Und noch ein entscheidender Vorteil kam dazu: „Der Ioniq 5 verfügt als einziges Auto in dieser Klasse über eine 800-Volt-Ladetechnik“, stellt er fest. „Das bedeutet, dass ich den Wagen in 18 Minuten von 40 auf 80 Prozent laden kann.“ Das Aufladen mag damit zwar etwas länger dauern als das überkommene Tanken von Benzin und Diesel. Aber letztendlich fällt das genauso wenig ins Gewicht wie die Tatsache, dass Alwin Thoma um der Reichweite willen nicht schneller als 130 Kilometer in der Stunde fährt. „Wir fahren halt immer früh genug weg“, sagt er.
Nach anfänglicher Skepsis überzeugt von der E-Mobilität
Als im Frühjahr der für drei Jahre gültige Leasing-Vertrag abgelaufen war, sprach sich Alwin Thoma für eine Verlängerung um weitere drei Jahre und die Anschaffung des Nachfolgemodells aus. Zumal dieses über eine noch größere Reichweite verfügt. Nach dem Laden zeigt es 550 Kilometern an. „Die Technik schreitet voran“, stellt er fest.
Moment. Ist das jetzt ein Beitrag, der gezielt für Elektroautos, möglichst noch für solche aus Südkorea werben soll? Nein. Natürlich kommt die Tatsache, dass diejenigen, die bei Alwin Thoma ins Auto steigen, elektrisch unterwegs sind, dem anspruchsvollen Ziel des Erzbistums entgegen, bis 2030 klimaneutral zu sein. Und natürlich trägt gerade der Bereich der Mobilität in nicht geringem Maße zum Ausstoß von klimaschädlichem CO2 bei. Der Verkehr ist bundesweit für rund 20 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Aber Alwin Thoma kommt mitnichten wie ein Fahnenträger der Klimaneutralität daher. „Ganz ehrlich: Ich war am Anfang sogar dagegen. Und zwar aus Unwissenheit“, räumt er ein. „Aber man kann ja seine Meinung ändern.“ Mittlerweile sei er begeistert von den Vorteilen des elektrischen Antriebs und fest davon überzeugt, dass sich die E-Mobilität über kurz oder lang durchsetzen wird. Zumal sich die Zahl der Ladesäulen in den letzten Jahren deutlich erhöht habe. „Wenn ich früher beispielsweise in Walldürn war, musste ich während des Gottesdienstes nach Buchen fahren, um dort zu laden“, erinnert er sich. „Mittlerweile gibt es auch in Walldürn genügend Schnellladesäulen.“
Von den vier Fahrzeugen, die den Mitgliedern der Bistumsleitung zur Verfügung stehen, ist bisher nur der von Alwin Thoma gesteuerte Ioniq 5 elektrisch. Für Mitarbeiter des Ordinariats, die des Öfteren unterwegs sind, stehen allerdings noch weitere fünf Fahrzeuge zur Verfügung, die elektrisch betrieben werden.
Spontaner Einsatz beim Besuch von Papst Benedikt XVI.
Als langjähriger Fahrer pflegt Alwin Thoma natürlich auch viele Erinnerungen. An die Herbstvollversammlungen der deutschen Bischöfe beispielsweise, die ihn einige Male nach Fulda führten. Dort gab es gewöhnlich ein eigenes „Fahrerprogramm“ mit Ausflügen, Besichtigungen und einer Wallfahrt zum Kreuzberg im Bistum Würzburg und anschließend ein gemütliches Beisammensein. Zeit und Gelegenheit genug für die Fahrer aus den deutschen Diözesen, um sich gegenseitig kennenzulernen.
Einen spontanen Einsatz hatte Thoma 2011 beim Besuch von Papst Benedikt in Freiburg. Damals brauchte es für die Fahrt des Papst-Konvois durch Freiburg noch einen zusätzlichen VW-Bus samt Fahrer. Alwin Thoma stand zur Verfügung und begleitete den Konvoi tags darauf sogar noch zum Flughafen nach Lahr. Eine Panne hatte er übrigens noch gar nie. Weder in fossilen noch in elektrischen Zeiten.