Papst fordert Frankreich zu Lebensschutz und Abrüstung auf
25.09.2026 |
Das Verhältnis von Staat und Kirche ist in Frankreich seit jeher spannungsreich. Bei seinem Besuch in Paris wirbt Leo XIV. für ein richtiges Verständnis von Laizität und fordert mehr Einsatz für Lebensschutz und Frieden.
Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, begrüßte Papst Leo XIV. auf dem internationalen Flughafen Paris-Orly.
Papst Leo XIV. hat Frankreich zu einem stärkeren Schutz des Lebens aufgerufen und nukleare Abrüstung von der einzigen Atommacht der EU gefordert. Verantwortungsträger aus Politik und Gesellschaft erinnerte Leo XIV. in Paris an die christlichen Wurzeln des Landes. Dabei warb er für eine „rechte Laizität“, die Religion weder aus dem öffentlichen Raum noch aus dem Bildungswesen ausschließe. Vielmehr gehe es um einen Dialog zwischen Staat und religiösen Institutionen, die ihre Kräfte für das Wahre, Gute und Schöne bündelten.
„Mit Besorgnis stelle ich bisweilen fest, wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdriften und Gefahr laufen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes fördern“, sagte Leo XIV. im Élysée-Palast. Erst im Juli hatte Frankreich aktive Sterbehilfe und begleiteten Suizid für schwerkranke Menschen erlaubt.
Schutz des Rechts auf Leben
Leo XIV. erinnerte an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 in Paris angenommen wurde. Gerade dank des Reichtums seines sozialen Gefüges zeichne sich Frankreich seit Jahrhunderten durch seine Aufmerksamkeit für Vielfalt und einen starken Wunsch nach Solidarität aus, sagte der Papst und erinnerte an die vielen Katholiken, die sich im Laufe der Jahrhunderte für Bedürftige eingesetzt haben. Ihre Zeugnisse seien eine eindringliche Erinnerung an den einzigartigen und unersetzlichen Wert jedes einzelnen Menschen.
Zugleich dienten sie als Einladung zu lernen, das Leben bedingungslos anzunehmen, jede seiner Phasen mit Achtung und gegenseitigem Vertrauen zu begleiten und sich für diejenigen einzusetzen, die keine Stimme haben. „Deshalb betone ich nachdrücklich, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet.“
Appell für nukleare Abrüstung
Das gelte auch für die Menschen, die unter Kriegen und Konflikten leiden - insbesondere im Nahen Osten. An die Politiker der einzigen Atommacht innerhalb der Europäischen Union appellierte er für Abrüstung und ein Verbot von nuklearen Waffen. „Angesichts des Kriegsgetöns und der vielfältigen Krisen, die unsere Welt erschüttern, hat Frankreich die Berufung, ein unermüdlicher Verfechter des Friedens und des Multilateralismus zu bleiben, insbesondere innerhalb unseres teuren Europas“, so der Papst.
Angesichts des Fortschritts Künstlicher Intelligenz warnte er vor einem Verlust des „Menschsein“ und auferlegter Einheitlichkeit. Eine wirklich freie Gesellschaft schütze die Vielfalt der Gewissen, beuge autoritären Auswüchsen vor und fördere einen ethischen Dialog. „Dieser Dialog ist im heutigen Frankreich umso dringlicher, als Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft gefordert sind, zusammenzuleben und ihren jeweiligen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft zu leisten“, sagte der Papst.
Vor seiner Ansprache war Leo XIV. mit Staatspräsident Emmanuel Macron zu einer privaten Unterredung zusammengetroffen. Danach setzte der Papst seine Reise mit einer Ansprache bei der Unesco fort.