Messbare Erfolge
28.07.2026 |
Die Kirchen warnen zurecht vor Kürzungen bei der Entwicklungshilfe
Immerhin – die Abschaffung des Entwicklungshilfeministeriums (BMZ) steht aktuell nicht zur Debatte.
Dies eigens zu erwähnen ist keineswegs weit hergeholt. Gab es doch in der Vergangenheit immer wieder mal Bestrebungen, dieses Ressort in das Auswärtige Amt zu integrieren. Eine politische Mehrheit dafür ist aber glücklicherweise bis heute nicht absehbar.
Ungeachtet dessen musste sowohl die Entwicklungshilfe als auch die im Auswärtigen Amt angesiedelte humanitäre Hilfe zuletzt Federn lassen. Und geht es nach dem Entwurf der Regierungskoalition für den Haushalt 2027, stehen weitere Kürzungen an. Die Kirchen und ihre Hilfsorganisationen haben jüngst darauf hingewiesen, dass gemäß diesem Entwurf dem BMZ im nächsten Jahr nur noch 9,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen würden. 2022 waren es noch 13,8 Milliarden. Die Mittel für humanitäre Hilfe wurden in den letzten Jahren sogar halbiert. Obwohl die Zahl hilfsbedürftiger Menschen deutlich gestiegen ist.
Die Kirchen warnen eindringlich vor weiteren Kürzungen. Zurecht verweisen sie auf die messbaren Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit. Kinder- und Müttersterblichkeit seien deutlich gesunken, ebenso die Zahl lebensbedrohlicher Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose. Ganz zu schweigen von den Wirkungen der humanitären Hilfe. Bei der zurückliegenden Jahrespressekonferenz von Caritas international konnten die Verantwortlichen am aktuellen Beispiel der Erdbebenkatastrophe in Venezuela zeigen, wie wichtig die Präsenz und der Einsatz dieser weltweit tätigen kirchlichen Hilfsorganisation für die Betroffenen ist (siehe auch Seite 11).
Und anders als zuweilen unterstellt wird, geht es dabei keineswegs darum, die Menschen einfach von oben herab mit Geldern zu beglücken. Die kirchlichen Hilfsprojekte sind auf die berühmte „Hilfe zur Selbsthilfe“ ausgerichtet. Sie verfolgen das Ziel, die Eigenverantwortung der Menschen vor Ort zu stärken und ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern. Dass und wie dies gelingen kann, lässt sich an zahllosen Projekten zeigen, die von Seiten kirchlicher Hilfsorganisationen angestoßen und umgesetzt werden.
Umgekehrt gilt: Wo die Mittel für solche Projekte fehlen, sind auch die Möglichkeiten einer wirksamen und nachhaltigen Unterstützung eingeschränkt. Dadurch werden Krisen, Konflikte und Fluchtbewegungen befördert. Und deren Lösung ist letztendlich teurer als heutige Investitionen in die Entwicklungshilfe.
Michael Winte