Vergessene Krisen
30.09.2026 |
Und damit kommen wir zu dem anderen Grund, warum diese Listen schrecklich und traurig sind: nämlich weil sie von einem weltgesellschaftlichen, medialen und politischen Totalversagen erzählen. Tragischerweise erzählen diese vergessenen Krisen auch von der menschlichen Eigenheit, bei Problemen den Kopf gerne in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass sie dadurch erst gar nicht existieren. Tun sie aber doch. Und natürlich erzählen sie auch etwas von der weltpolitischen Brille, die in Europa seit Jahrhunderten getragen wird und die Afrika nur allzu gerne ausblendet, wo stets die meisten der vergessenen Krisen liegen.
Seit Jahren auf der Liste der vergessenen Krisen steht auch der Südsudan. Die Lage in dem afrikanischen Land, das 2011 seine Unabhängigkeit erlangte, ist geprägt von ethischen und politischen Konflikten, die mit viel Gewalt ausgetragen werden. Gleichzeitig leiden die Menschen unter den Folgen des Klimawandels wie Dürren und Überschwemmungen. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger reiste kürzlich als Misereor-Beauftragter in den jüngsten Staat der Welt (siehe Seite 11). Misereor, ebenso Caritas International, das UN-Flüchtlingswerk und andere Hilfsorganisationen leisten in Ländern wie dem Südsudan nicht selten Unvorstellbares. Täglich retten sie hunderttausende Leben, geben Menschen Würde. Gleichzeitig sind sie dabei auch so etwas wie Feigenblätter, die das kollektive Versagen verdecken.
Umso wichtiger, dass wir wenigstens nicht vergessen, dass es diese Feigenblätter gibt, und dass wir die Arbeit der Hilfswerke unterstützen. Beispielsweise auch die Arbeit der Hilfswerke missio Aachen und misso München. Im jetzt begonnenen Monat der Weltmission der beiden Hilfswerke steht Madagaskar im Mittelpunkt der großen Solidaritätsaktion. Auch im Erzbistum Freiburg wird ein Gast aus dem Inselstaat unterwegs sein und vom Leben in seinem Land berichten. Hören wir gut zu.
Die wichtigen Feigenblätter vor einem Totalversagen
Immer mal wieder taucht in den Medien der Begriff der „vergessenen Krisen“ auf. Meistens dann, wenn UNICEF oder andere globale Hilfsorganisationen ihre Liste der vergessenen Krisen veröffentlichen. Diese Listen sind schrecklich und traurig. Einerseits erzählen sie vom Leid von Millionen Menschen, die hungern, ausgebeutet oder vertrieben werden, Gewalt erleben, sterben. Auch deshalb, weil sie von der Weltöffentlichkeit vergessen sind und keine mediale Aufmerksamkeit – und so zu wenig weltweite Hilfen erfahren.
Und damit kommen wir zu dem anderen Grund, warum diese Listen schrecklich und traurig sind: nämlich weil sie von einem weltgesellschaftlichen, medialen und politischen Totalversagen erzählen. Tragischerweise erzählen diese vergessenen Krisen auch von der menschlichen Eigenheit, bei Problemen den Kopf gerne in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass sie dadurch erst gar nicht existieren. Tun sie aber doch. Und natürlich erzählen sie auch etwas von der weltpolitischen Brille, die in Europa seit Jahrhunderten getragen wird und die Afrika nur allzu gerne ausblendet, wo stets die meisten der vergessenen Krisen liegen.
Seit Jahren auf der Liste der vergessenen Krisen steht auch der Südsudan. Die Lage in dem afrikanischen Land, das 2011 seine Unabhängigkeit erlangte, ist geprägt von ethischen und politischen Konflikten, die mit viel Gewalt ausgetragen werden. Gleichzeitig leiden die Menschen unter den Folgen des Klimawandels wie Dürren und Überschwemmungen. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger reiste kürzlich als Misereor-Beauftragter in den jüngsten Staat der Welt (siehe Seite 11). Misereor, ebenso Caritas International, das UN-Flüchtlingswerk und andere Hilfsorganisationen leisten in Ländern wie dem Südsudan nicht selten Unvorstellbares. Täglich retten sie hunderttausende Leben, geben Menschen Würde. Gleichzeitig sind sie dabei auch so etwas wie Feigenblätter, die das kollektive Versagen verdecken.
Umso wichtiger, dass wir wenigstens nicht vergessen, dass es diese Feigenblätter gibt, und dass wir die Arbeit der Hilfswerke unterstützen. Beispielsweise auch die Arbeit der Hilfswerke missio Aachen und misso München. Im jetzt begonnenen Monat der Weltmission der beiden Hilfswerke steht Madagaskar im Mittelpunkt der großen Solidaritätsaktion. Auch im Erzbistum Freiburg wird ein Gast aus dem Inselstaat unterwegs sein und vom Leben in seinem Land berichten. Hören wir gut zu.
Daniel Gerber