Ein Herz und eine Seele – Lectio-Divina-Leseprojekt
10.06.2023 |
„Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.“
Das Bild, das der Verfasser der Apostelgeschichte von der Jerusalemer Urgemeinde zeichnet, wirkt wie ein Idealtypus; die ersten Christen leben in einer Art Gütergemeinschaft auf Basis des gemeinsamen Glaubens an Jesus, den Auferstandenen. „Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“
Der Abschnitt im vierten Kapitel der Apostelgeschichte ist auch deswegen herausfordernd, weil er unmissverständlich vor Augen führt, dass Handeln zum Wohl der Gemeinschaft notwendig ist und unsolidarisches Handeln tödlich sein kann. Was schon wenige Verse später vorgeführt wird, als ein Mann namens Hananias und seine Frau Saphira versuchen, Geld aus dem Verkaufserlös für ein Grundstück zu unterschlagen (5, 1-9).
Ein Herz und eine Seele in Gemeinschaft sein: davon mögen auch Menschen heute träumen. Doch viele Kirchengemeinden sind durch Strukturreformen herausgefordert, die Konfliktpotenziale bergen und Frust verbreiten. Die Texte des Lectio-Divina-Projektes „Ein Herz und eine Seele“, angestoßen von einer Arbeitsgruppe der Katholischen Erwachsenbildung im Bistum Mainz, will genau dort ansetzen: Gemeindegruppen sind eingeladen, in der Arbeit mit ausgewählten Schriftstellen zu lernen, Verschiedenheit auszuhalten und Mut für Neues zu entwickeln. Die Lectio-Methode kann Prozesse begleitend unterstützen: den Versuch ist es wert.
„Ein Herz und eine Seele“, Lectio-Divina-Leseprojekt Bd. 27, Stuttgart 2023, 34 Seiten, 16,80 Euro.