Alfred Delp. Leben gegen den Strom – Christian Feldmann
04.09.2023 |
Alfred Delp gehört zu den bedeutendsten Gestalten des christlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
1907 In Mannheim geboren, trat er 1926 in das Noviziat des Jesuitenordens ein. Sehr schnell nach Hitlers Machtergreifung und zu einer Zeit, als andere noch in der Illusion verharrten, dass sich die Kirche mit dem Regime arrangieren könnte, war sich Delp über die Unvereinbarkeit zwischen dem christlichen Glauben und der Nazi-Ideologie im Klaren. Eine Haltung, die ihn zum „Kreisauer Kreis“, nach dem missglückten Attentat auf Hitler ins Gefängnis und schließlich am 2. Februar 1945 an den Galgen brachte.
Christian Feldmann hat den Lebens- und Glaubensweg Alfred Delps in einer neuen, kompakten Biografie noch einmal auf spannende Weise beschrieben. Er macht deutlich, dass für Delp Glaube und echte Gottesfurcht untrennbar verbunden waren mit dem Einsatz für die Menschenwürde. Nicht zuletzt aus dieser Überzeugung resultierte auch die geradezu prophetische Kritik Delps an einer selbstgenügsamen Bürokratenkirche und deren Amtsstuben, die weniger dem lebendigen Gott als den „Idealen der menschlichen Schwäche“ huldigen: „Besitz, Macht, gepflegtes Dasein, gesicherte Lebensweise“.
Der Autor ergänzt seine Ausführungen mit Fotos aus dem Leben Alfred Delps und mit Texten aus der Todeszelle, in denen Verlassenheit und Angst ebenso zum Ausdruck kommen wie die Erfahrung eines ganz nahen Gottes. Feldmanns Buch zeigt, dass es lohnt, sich immer neu mit diesem herausragenden Glaubenszeugen und seinem Denken zu beschäftigen – gerade auch im Blick auf die heutige Krise des Glaubens und der Kirche.
Michael Winter
Christian Feldmann, „Alfred Delp. Leben gegen den Strom“, Verlag Pustet 2023, 144 Seiten, 16,95 Euro.