Ohne Schlamm kein Lotos. Die Kunst, Leid zu verwandeln – Thich Nhat Hanh
16.09.2023 |
Die Frage nach dem Sinn von Leiden gehört zu den großen Rätseln der Menschheitsgeschichte. Zu den unauflösbaren, wie etwa die biblische Erzählung von Hiob vor Augen führt.
Thich Nhat Hanh, „Ohne Schlamm kein Lotos. Die Kunst, Leid zu verwandeln“, Verlag nymphenburger, 159 Seiten, Stuttgart 2023, 18 Euro.
Die Bewältigung der offenen Frage nach Grund und Sinn von Leid ist denn auch ein, wenn nicht das zentrale Thema in Lehre und Praxis der Religion(en). Thich Nhat Hanh (1926-2022), ein aus Vietnam stammender Zen-Meister, Gelehrter und nach dem Dalai-Lama wohl die bekannteste buddhistische Persönlichkeit der Gegenwart, hat sich zeitlebens um die Vermittlung der Weisheiten seiner Religion bemüht und gilt als Begründer des engagierten Buddhismus mit Blick auf das Leben Buddhas und dessen Mitgefühl für alle Geschöpfe.
In seinem nun posthum auch auf Deutsch erschienenen Werk (englisches Original 2014: „No Mud, No Lotus“) widmet sich der Gelehrte der sogenannten Theodizee aus buddhistischer Sicht. Und zeigt auf, dass die Fähigkeit, Glück zu erfahren, nicht die vollständige Abwesenheit von Leid voraussetzt. „In Wahrheit besteht die Kunst des Glücks auch in der Kunst, auf gute Weise zu leiden.“ In diese Fertigkeit führt Thich Nhat Hanh, flankiert von Weisheitserzählungen, in verschiedenen Schritten ein. Das geschieht äußerst behutsam, dem Thema angemessen.
Deutlich werden dabei auch Verbindungen zur christlichen Spiritualität, was die Lektüre zusätzlich anreichert. Und die Erkenntnis nurmehr unterstreicht: „Die meisten Menschen fürchten sich davor zu leiden. Doch das Leiden ist eine Art Schlamm, der die Lotosblüte des Glücks zum Erblühen bringt. Es gäbe keine Lotosblüte ohne Schlamm.“