Gewänder des Heils. Exerzitien im Alltag – Annette Traber

21.10.2023 |

Stilberatung in der Sakristei: „Ja, ich bin mit zwei liturgischen Gewändern unterwegs. Der Talar, das schwarze Gewand: am Anfang meiner Dienstzeit fand ich es ein wenig unförmig, aber ich habe sehr schnell erfahren, wie wertvoll dieses Gewand für mich als Person sein kann.

Annette Traber, „Gewänder des Heils. Exerzitien im Alltag“, Echter Verlag, Würzburg 2023, 97 Seiten, 9,90 Euro.
 
Ich denke an die Beerdigung eines Kindes. Und dann stehe ich auf dem Friedhof. Wenn ich meinen Talar anziehe, ,ziehe‘ ich mir in diesem Moment auch meinen Auftrag an (…) Der Talar hat mir immer wieder geholfen, mich an meine Sendung zu erinnern, gerade auch am Sterbebett oder auf dem Friedhof.“

Der Beitrag von Susanne Schneider- Riede, Leiterin der Fachstelle Geistliches Leben in der Evangelischen Landeskirche in Baden, führt mitten hinein in die „alltäglichen Übungen“, die Menschen mit ihren Kleidern erleben, vollziehen und gestalten. Denn Tücher, Stoffe und Gewänder begleiten uns: als Windeln, Arbeitskluft und „Sonntagsstaat“, von der Montur bis zum letzten Hemd; vom Lebensbeginn bis zum Ende.

Das alles dürfe und könne „mitschwingen“, wenn die entsprechend angelegten „Exerzitien im Alltag“ Impulse geben, sich über das Thema Kleidung, Tücher und Stoffe „dem eigenen Menschsein und den Beziehungen zu anderen Menschen und Gott zu nähern“, meint Annette Traber im Vorwort zu ihrem „Arbeitsbüchlein“ für ein geistliches Leben im – nun ja: „Normalbetrieb“. 

Der Reiz der Angelegenheit: Es geht um den neuen Blick auf das Altbekannte. „Gott in allen Dingen finden“, heißt es dazu bei Ignatius, einem Meister der Exerzitien. Wir sollen jeden Tag neu in die Kluft schlüpfen. Neu gewandet werden. Darum geht‘s.
 
Brigitte Böttner