Kleine Theologie der Entlastung – Wolfgang Teichert
09.03.2024 |
„Wir sind überlastet, moralisch überfordert und erschöpft. Wir sollen das gesamte Klima retten, möglichst sofort, den Frieden in Teilen der Welt wieder herstellen, bewahren, schützen und erhalten; neuerdings gegen imperiale Überfälle mit Waffen für das überfallene Land ...“
Wolfgang Teichert, „Kleine Theologie der Entlastung“, Claudius Verlag, München 2023, 91 Seiten, 20 Euro.
Mit diesem Präludium seines Essaybandes trifft Wolfgang Teichert den Grundton der Moderne mit ihrer Selbstverantwortung des Individuums. Der Mensch ist seines Glückes Schmied und überdies auch sein eigener Trost- und Hoffnungsspender. Eine unsägliche und im Wortsinn heillose Überforderung!
„Es ist, finde ich, an der Zeit, die entlastenden Traditionen der eigenen Religion und ihrer Quellen revitalisierend wieder zum ,sprudeln‘ zu bringen“, so Teichert. Was den jüdisch-christlichen Kontext angeht, müsse man für „eine kleine Theologie der Entlastung“ allerdings manche Umwege oder sogar Abwege gehen, denn in dieser Tradition werde eher erzählt denn definiert. So orientiert sich der Autor an Erzählungen: vom Sündenbock und Gottesknecht über den Unterschied zwischen dem griechischen Titanen Atlas und der mythischen Gestalt des (Christ) Opherus bis hin zur Entdeckung von „Gottes Zeit“ als der „allerbesten Zeit“ in der Kantate von Johann Sebastian Bach. Sehr deutlich wird dabei, wie zwiespältig die Suche nach Formen der Entlastung ist – und wie gewagt manche theologische Figur in der jahrtausendealten Tradition. Teicherts kühnes Fazit: „Theologie, wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Entlastung aus sich darstellen.“