Plötzlich dieses Leuchten. Pfingstgeschichten – Richard Kölliker (Hg.)
18.05.2024 |
Im Unterschied zu Weihnachten oder Ostern hat das Pfingstfest in der Volksfrömmigkeit nie dieselbe Bedeutung und Popularität erlangt. Was Bertold Brecht in seinem „Kinderbuch“ amüsant in Verse bringt: „Pfingsten / sind die Geschenke am geringsten, / während Ostern, Geburtstag und Weihnachten / was einbrachten.“
„Plötzlich dieses Leuchten. Pfingstgeschichten“, herausgegeben von Richard Kölliker, TVZ Verlag, Zürich 2024, 184 Seiten, 22 Euro.
Das Fest des Heiligen Geistes, um dessen Ausgießung an Pfingsten gebetet, dessen Sendung erfleht wird, sei ein fremdes, unzulängliches Fest geblieben, „das von den christlichen Festen am meisten durch die Säkularisierung vom ursprünglichen Sinn entfremdet worden ist“, wie Richard Kölliker im Vorwort der von ihm versammelten „Pfingstgeschichten“ bemerkt. Mit „Pfingsten“ verbinden die Leute ein verlängertes Wochenende, endlose Staus, Pfadfinderlager, Sportfeste oder Pferderennen … Übliche Umfragen nach Entstehung und Bedeutung dieses christlichen Hochfestes im späten Frühling oder Frühsommer attestieren regelmäßig Ahnungs- und Sprachlosigkeit. Und Theologen stellen den Sinn des zweiten Feiertags – Pfingstmontag – infrage...
Die pfingstliche Sprachlosigkeit mag in der Schwierigkeit gründen, das abstrakte Thema des Gottes-Geistes in verständliche Erzählungen und Geschichten zu fassen, vermutet der Herausgeber dieses Lesebändchens mit modernen Pfingstgeschichten. wiewohl: „Wir müssen an Pfingsten nichts. Das entspricht mir. Darin ähnele ich meinem Kind, oder es mir“, schreibt Martina Schwarz und zitiert den Nachwuchs: „Weißt du, Mama, ich möchte einfach frei sein.“ In der Freiheit des Geistes immerhin ist Pfingsten bis heute anschlussfähig.