„Von der Kunst, Neue Rituale zu feiern. Was sie sind, was sie brauchen, wie sie gelingen – Markus Grünling
25.05.2024 |
Da ist es wieder, jenes im Zusammenhang von Glauben und Kirche häufig bemühte Doppel von „immer weniger“ und „immer mehr“: Traditionelle Religiosität „verblasst“ und „verdunstet“ zunehmend, folglich interessiert der Glaubensvollzug im Leben der Kirche immer weniger Menschen.
Markus Grünling, „Von der Kunst, Neue Rituale zu feiern. Was sie sind, was sie brauchen, wie sie gelingen“, 128 Seiten, Verlagsgruppe Patmos, Ostfildern 2024, 18 Euro.
„Mit der überlieferten Religiosität ist auch der Ort für viele – vielleicht die meisten – überlieferten Rituale im Schwinden begriffen“, schreibt Markus Grünling. Eine bleibende Lücke, „eine Art Vakuum“, denn das „Bedürfnis nach lebensbegleitenden Ritualen“ sei „unvermindert“. Und zugleich eine Sehnsucht nach neuen Ritualen zu beobachten: nach „niederschwelligen Zeremonien, die offen sind für jeden und jede, die sich an die jeweiligen persönlichen Umstände und Hintergründe anschmiegen, ohne dass Dogmatik und Esoterik den Ton angeben“. Relativ neu am Arbeitsmarkt ist das Berufsbild der Freien Theologinnen und Theologen, Trauer- oder Hochzeitsredner, „Zeremonienmeister:innen und Ritualgestalter:innen“, wie der Verlagstext sie zusammenfasst. Chance und Herausforderung zugleich – für Kirche und Gesellschaft.
Markus Grünling, seit 2003 als Freier Theologe tätig, lebt in Weinheim. Davor war er zehn Jahre als katholischer Priester in Gemeindeseelsorge und Jugendarbeit tätig. Im Buch, das im kollegialen Austausch mit weiteren „Ritendesignern“ entstanden sei, teilt der Autor seine Erfahrungen; er macht anschaulich, dass Rituale dynamisch sind, wandlungs- und anpassungsfähig. Eine Beobachtung, die auch der Blick in die Liturgie der Gegenwart bestätigt.