Was treibt einen islamischen Theologen auf einen christlichen Pilgerweg? Für den 52-jährigen islamischen Theologen Mouhanad Khorchide war es Neugierde, die ihn nach Santiago de Compostela aufbrechen ließ.
Mouhanad Khorchide, „Ein Muslim auf dem Jakobsweg“, Verlag Herder 2024, 176 Seiten, 18 Euro.
So flog er zu Pfingsten im vergangenen Jahr unvorbereitet nach Santiago. Was er auf dem Camino erlebte, hat er wenig später in diesem Buch niedergeschrieben. Er hatte Rituale um das Grab des heiligen Jakobus erwartet, so wie man in Mekka siebenmal um die Kaaba geht. In Santiago lernte er zu verstehen, dass das eigentliche Pilgern der Weg selber ist. Khorchide beschloss, den umgekehrten Weg der 100 Kilometer zu gehen. Auf seiner Strecke traf er Menschen mit völlig unterschiedlichen Motivationen. Die meisten von ihnen waren aus seiner Sicht überwiegend weltlich eingestellt, und hatten mit Religion bzw. Gott nicht viel am Hut. Das irritierte ihn und er fragte sich, wenn Menschen pilgern, warum dann nicht aus religiösen Gründen? Khorchide ärgerte es, dass er die ganze Zeit nur mit Leuten und mit sich selbst gesprochen hat, aber sehr wenig mit Gott. Aber letztlich war es für ihn eine Reise, die ihn an Erfahrungen reicher machte. Das wird in seinem Buch deutlich. Denn durch die Begegnungen und Gespräche beschäftigte er sich nicht nur mit dem Christentum, sondern lernte auch den Islam noch einmal von einer neuen Seite her zu betrachten. Humorvoll und offen hat Khorchide seine Erlebnisse verarbeitet. Dies gelingt ihm auf unterhaltsame und reflektierte Weise. Als Leserin oder Leser begleitet man den islamischen Pilger gerne auf dem Jakobsweg und seinem inneren Weg.