Rund vierzig Millionen Christen leben in Deutschland. Tobias Haberl ist einer von ihnen – und wundert sich, warum er den anderen so selten begegnet.
Tobias Haberl, „Unter Heiden. Warum ich trotzdem Christ bleibe“, Verlag btb, Berlin 2024, 286 Seiten, 22 Euro.
„Man kann es sich angesichts anhaltender Rekordaustritte aus den Kirchen kaum vorstellen, aber in Deutschland ist man als Christ immer noch in bester Gesellschaft“, schreibt er. Wer Glaubensbrüder und -schwestern suche, werde sie also finden, „in einem der 16.000 Sonntagsgottesdienste, bei Prozessionen, auf Gemeindefesten oder Kirchentagen, notfalls verbringt man seinen Osterurlaub in Rom, da wimmelt es von Christen aus Deutschland ...“ Ob Kneipe, Wartezimmer, Fußballstadion: „Mit großer Wahrscheinlichkeit sitzt der nächste Christ immer nur ein paar Meter entfernt.“ Doch ein Blick in seine Handy-Kontakte stimmt Haberl nüchtern: Von hundert Bekannten wähnt er vielleicht fünf in der Kirche. In Nachbarschaft und Berufsleben sei er „von Menschen umgeben, die sich entweder abschätzig oder gar nicht über meinen Glauben äußern“.
Aus der Erosion des Glaubens sei eine endzeitliche Krise geworden, an deren Ende der Zusammenbruch des christlichen Lebens in Deutschland stehen könnte, so die Analyse. Weil Gott den meisten Menschen gleichgültig (geworden) sei. Was die Zukunft der Kirche in der westlichen Welt betrifft, sieht der Autor indes noch einen Hoffnungsschimmer. „Kleine Gemeinden, die aber umso fester im Glauben stehen, eine ,Kirche der wenigen‘, wie vor zweitausend Jahren, als sie Jesus ans Kreuz geschlagen haben, und seine Jünger dachten, es sei das Ende, dabei war es ein Anfang.“ Wie jener, den Haberl in seiner Spurenlese erkundet.