„Du sollst Dir kein Bild von Gott machen!“ So steht es zwar in der Bibel, aber das Bilderverbot im jungen Christentum hat sich nicht durchgesetzt. Johann Hinrich Claussen führt den Leser in seinem Buch „Gottes Bilder“ durch eine Art Ausstellung in 12 „Sälen“, beginnend mit einem Jesus darstellenden Amulett aus Syrien oder Ägypten aus dem 2./3. Jahrhundert.
Johann Hinrich Claussen, „Gottes Bilder. Eine Geschichte der christlichen Kunst“, C.H. Beck Verlag, 2024, 318 Seiten, 32 Euro
Der mächtige Christus schützt vor Dämonen. Fresken der Frührenaissance zeichnen die Legende von Franz von Assisi nach, dessen bewusstes Leben in Armut und Loslösung von allen sozialen Bindungen ein epochales Ereignis für das Christentum und seine Kunst darstellen. Große Gemälde der Hochrenaissance befinden sich im „7. Saal“. Wer kennt nicht die Namen Raphael oder Botticelli.
„Bilderstürmer“ in der Reformationszeit verhöhnen, beschmutzen, entweihen, beschädigen oder zerstören die Kunstwerke. Luther lässt viele Bilder an ihrem Platz, solange man ihnen keine religiöse Macht zuspricht. Er setzt sich dafür ein, dass sie ordentlich abgenommen, eingelagert, verkauft oder an ihre Stifter zurückgegeben werden. Andachtsbilder in privaten Wohnhäusern, die bei Krankheit, Sterben oder oft todbringenden Geburten herangezogen werden, entwickeln sich zur Massenware. Claussen geht auch auf fromme Bilder und Monumente der Moderne ein: auf Cristo Redentor (Rio de Janeiro), Sacré-Coeur de Montmartre, die Stalingrad-Madonna (heute in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche) oder Marc Chagall. Claussen macht Staunen durch seine Betrachtungen Staunen und hilft, den Sinn der Bilder zu erschließen.