„Mir scheint“, sinnierte er einmal, „man muss Gott mehr fragen als loben.“ Das Fragen hat den 2020 gestorbenen Salzburger Dogmatiker Gottfried Bachl, der ebenso nüchtern analysieren wie poetisch beten konnte, lebenslang fasziniert.
„Das flüchtige Nu des Lebens. Ein Gottfried Bachl Lesebuch“, ausgewählt von W. Achleitner, Tyrolia Verlag, Innsbruck, 183 Seiten, 22 Euro.
Aus dem Urlaub heraus verwirrte er seine Freunde mit scheinbar harmlosen Fragebögen: „Haben Sie Gott schon einmal trösten wollen?“ – „Freuen Sie sich auf Gott?“ – „Haben Sie schon einmal einen Feind geliebt?“ – „Wieviel Papst braucht der Glaube?“ – „Warum zuckern wir die Hostie nicht?“ In mancher Frage steckte mehr spirituelle Tiefe als in einer bischöflichen Sonntagspredigt.
Bachls Gottesgeschichten haben etwas Leichtes, Befreiendes, trotz aller Provokation Fröhliches. Seine Gymnasiasten, Studenten, Predigthörer lernten bei ihm Ängste und Sehnsüchte auszusprechen, und sie begriffen, dass Beten nicht bedeuten muss, Wut und Verzweiflung zu verdrängen. Und dass Gottes Herz immer „rund um uns schlägt“, voll aufmerksamer Liebe. Der in Bethlehem Mensch gewordene Gott trete „ohne Missio Canonica“ an, staunte Bachl, „ohne Weihe durch die befugte Autorität. Ein Laie fängt das Christentum an. Sein machtvolles Ansehen entsteht dadurch, dass er selbst hinsteht, sich ausliefert, ohne irgendeine Stütze. Sein Ornat ist seine Haut.“
Gottfried Bachls einstiger Assistent Wilhelm Achleitner hat die zahllosen Predigten, Zeitschriftenbeiträge, Aphorismen seines Lehrers an der Uni Salzburg eingescannt und legt eine Sammlung von Texten vor, die oft genug einschlagen, wie es die Verkündigung der allerersten Glaubenszeugen vor zweitausend Jahren getan haben muss.