Endzeiterzählungen haben in Zeiten tiefgreifender Umbrüche Hochjunktur. Das gilt auch für die Kirchen, deren Fundament brüchig geworden ist. Sie müssen zurück zu einer echten Sprache des Glaubens. Das hat Hannah Bethke analysiert.
„Vom Glauben abgefallen: Mut zur Christlichkeit statt Angst vor dem Zeitgeist. Eine Antwort auf die Krise der evangelischen Kirche“, Kösel Verlag, München 2025
Jahrgang 1980, Politik-Journalistin bei der „Welt“ und „Welt am Sonntag“, leidet sie an ihrer Kirche. Oder vielmehr: sie regt sich über sie auf. Weil sie ihre Rolle nicht mehr gut spielen, sich kein Gehör mehr verschaffen – und dadurch ihren gesellschaftlichen Bedeutungsverlust noch beschleunigen. Die Kirchen mischen sich ein ins politische Tagesgeschäft, statt – was ihre eigentliche Aufgabe wäre – den sprach- und machtlosen unserer Zeit eine Stimme zu geben.
Um einen Weg aus ihrer Krise zu finden, muss Kirche „die Sprache des Glaubens wieder erlernen“, fordert Bethke. Nur so können sie ihren, soll heißen: den jesuanischen Auftrag erfüllen, der Gesellschaft Orientierung zu geben und sie zu entlasten. Von all den Dingen, die sich politisch, gesellschaftlich, monetär, subsidiär … nicht erledigen lassen. Normal-menschliche Tragödien Sterben, Trennung, Krankheit und andere Verluste bleiben unversorgt, wenn sich nicht die Kirchen ihrer annehmen.
Bestechend an dem sozialwissenschaftlich ausgerichteten Blick der Autorin ist die tiefe Betroffenheit von Thema und Problemstellung. Hier schreibt eine, die sich wünschen würde, gehört zu werden. Weil’s vielleicht helfen könnte …