Spuren des Heiligen

31.07.2025 |

Seit ein paar Jahren debattiert die Theologie, ob Menschen, die bewusst auf Religion verzichten, etwas fehlt. Oder ob sie nicht trotz dieses Verzichts (oder dadurch) ein für sie zufriedenstellendes Leben führen.

Jan-Heiner Tück, „Minima theologica. Spuren des Heiligen heute“, Verlag Herder, Freiburg 2025, 216 Seiten; 18 Euro.
 
Der Theologe Jan-Heiner Tück weist darauf hin, dass diejenigen, die meinen, ohne Verlust auf Religion verzichten zu können, dennoch bestimmte grundlegende menschliche Erfahrungen machen. Solche „Intensitätsmomente, die durchlässig sind auf das Andere“ würden religiöse Menschen dann eben als „das Heilige“ bezeichnen. 

Erlebnisse wie „unverhofftes Glück, für das man danken möchte, Unterbrechungen in der wohltemperierten Existenz, die aufhorchen lassen und nachdenklich stimmen, Einbrüche von Ohnmacht und Verzweiflung, die nach einer rettenden und erlösenden Macht fragen lassen“.

Derartige Erlebnisse werden seit Menschengedenken nicht nur in der Religion, sondern auch im Bereich der Kunst thematisiert. Daher lassen sich bei eher religionsfremden modernen Menschen vielleicht leichter an dieser Stelle – in den Werken bildender Kunst, von Literatur und Musik – Anknüpfungspunkte finden, über das Aufleuchten des Heiligen in der Welt nachzudenken. Tück, Dogmatikprofessor in Wien, nähert sich den „Spuren des Heiligen heute“ in eben dieser Art und Weise an: im Nachdenken über bestimmte Kunstwerke, über moderne Literatur und Musik. 

Den Abschluss des Buches machen Überlegungen des Autors zu einem Brief von Papst Franziskus über die Bedeutung der Literatur. Eine schöne Würdigung dieser Überraschung seines Pontifikats.    
 
KBL/ KNA