Enkel ohne Gott?

29.04.2026 |

Wer regelmäßig mit Menschen ins Gespräch kommt, die sich über Jahrzehnte hinweg für die Kirche und den Glauben engagiert haben, begegnet immer öfter einer Klage ...

Die lautet, in unterschiedlichen Varianten, etwa so: „Wir haben unsere Kinder im Glauben erzogen und unser Bestes dafür getan, dass sie in der Kirche beheimatet sind. Jetzt müssen wir akzeptieren, dass unsere Enkel nicht einmal mehr getauft sind.“
 
 
Der innere Schmerz, der mit dieser Klage einher geht, verbindet sich bei manchen Betroffenen sogar mit Foto: Wikimedia Commons einem schlechten Gewissen: Haben wir damals als Eltern bei aller Mühe vielleicht doch nicht genug für die religiöse Erziehung unserer Töchter und Söhne getan? Oder umgekehrt: Haben wir es übertrieben und sollten uns deshalb im Blick auf die religiöse Erziehung unserer Enkel höchste Zurückhaltung auferlegen?
 
Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt des Buches „Enkel ohne Gott?“, das der bekannte Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller, Jahrgang 1950, vor Kurzem vorgelegt hat. Müller, langjähriger Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach, weiß, wovon er spricht. Seine eigene Tochter ist aus der Kirche ausgetreten und bei seinem Enkel spielt der Glaube keine große Rolle. Eine einfache „Lösung“ für die Nöte der Großeltern hat der Autor nicht. Aber er gibt wichtige Hilfen, diese Situation ein zuordnen und zu verstehen, um dann angemessen und produktiv damit umzugehen. Und das im Vertrauen darauf, dass es keine Enkel ohne Gott gibt. Einfach deswegen, weil es Gott gibt, der diese Enkel liebt. Auch dann, wenn sie nicht getauft sind und nicht in die Kirche gehen.
 
Michael Winter
 
Wunibald Müller, „Enkel ohne Gott? Wenn der Glaube in Familien verloren geht“, Verlag Herder, Freiburg 2026, 192 Seiten, 22 Euro.