6. Oktober: Bruno der Kartäuser

Was bewegte den angesehenen Gelehrten und Wissenschaftler Bruno von Köln (um 1030 bis 1101), sich mit einigen Gefährten in die völlige Einsamkeit zurückzuziehen und 1084 einen der strengsten Mönchsorden ins Leben zu rufen?

Bruno
Bruno
Foto: Bildlexikon der Heiligen, Pattloch
Bruno der Kartäuser, Statue in der Kartause von Miraflores bei Burgos, Spanien.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Bruno eine glänzende Karriere hinter sich: Als bekannter Lehrer an der Domschule in Reims – zu seinen Schülern zählte der spätere Papst Urban II. – und als Kanzler der Erzdiözese. Nach heftigem Streit mit seinem Erzbischof musste er zwar zunächst aus Reims fliehen; als der Erzbischof aber wegen schwerer Fehler seines Amtes enthoben wurde, hätte Bruno seinen beruflichen Aufstieg fortsetzen können.

Doch im Exil reifte sein Entschluss, „die flüchtige Welt zu verlassen, um das Ewige zu ergreifen und das Mönchskleid zu nehmen", wie er es selbst in einem Brief formulierte. Nach einiger Zeit persönlicher Suche zog er sich mit sechs Freunden in eine einsame Gebirgsschlucht bei Grenoble zurück. Dort baute er eine Gemeinschaft von streng beschaulich lebenden Einsiedlern auf. Aus den Anfängen entwickelte sich der Kartäuserorden mit seinen charakteristischen Klosteranlagen, den Kartausen. An das Zentrum dieser Anlagen mit Kirche, Kreuzgang und Gemeinschaftsräumen sind je einzelne Häuschen mit Garten angebaut, in denen die Kartäuser die meiste Zeit in Gebet und Betrachtung verbringen. Bis heute ist die Grande Chartreuse bei Grenoble der Mittelpunkt des Ordens.

Der Entschluss Brunos rief ­immer wieder Staunen hervor. Um ihn zu erklären, entstanden später spektakuläre Legenden. Doch fügte sich sein Schritt in jener kirchlich turbulenten Zeit durchaus konsequent in sein bisheriges Leben ein: Bis dahin hatte er gegen die Missstände einer Kirche gekämpft, die allzu welt-liche Schwächen zeigte, sogar seinen eigenen Bischof hatte er des Amtsmissbrauchs angeklagt. Nun verließ er die „flüchtige Welt" ganz und zog sich vollends zum Gebet und zur religiösen Betrachtung zurück.

Claudius Heitz