26. Oktober: Amandus von Straßburg
Er befindet sich in illustrer Gesellschaft: Denn was Liudger, Bonifatius, Ansgar oder Karl der Große für Münster, Würzburg, Hamburg oder Osnabrück sind, das ist der heilige Amandus für Straßburg: der Bistumsgründer, und zwar schlicht durch die Tatsache, dass er um 345 der erste Bischof der damaligen Römerstadt war.
Stattdessen drangen im 10. Jahrhundert wundergespickte Geschichten in das Oberrheingebiet, laut denen Amandus ein mutig missionierender Bischof im 7. Jahrhundert gewesen sei, der enge Beziehungen zu König Dagobert gepflegt und dessen Sohn Sigbertus getauft habe.
Heute wissen wir, dass hinter diesen Erzählungen nicht der Bischof von Straßburg, sondern dessen Namensvetter Amandus von Maastricht, der „Apostel Belgiens" steckte, dessen Kult sich nach 850 infolge der Translation der Gebeine europaweit verbreitete.
Damals meinten die Straßburger, nun endlich mehr von ihrem Bistumsgründer zu wissen und ergänzten, König Dagobert habe Amandus von Flandern weg in das geliebte Elsass versetzt und zum ersten Straßburger Bischof gemacht. Darüber hinaus dachten sie, im Maastrichter Amandusfest am 26. Oktober den Todestag des eigenen Heiligen wieder entdeckt zu haben.
Auf diese Weise feierte das Straßburger Domstift bis ins 18. Jahrhundert hinein einen belgischen Bischof des 7. Jahrhunderts als Bistumsgründer.
Die Geschichtsschreiber der Aufklärung deckten die Verwechslung auf, so dass heute in Sulzbad (Soultz-les-Bains) das Heilwasser im Namen des „echten" Amandus von Straßburg aus der Amandusquelle sprudeln kann.
Daniel Gaschick
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