8. Oktober: Pelagia von Jerusalem

Eine der über Jahrhunderte am meisten verbreiteten Legenden war die der heiligen Pelagia von Jerusalem. Sie soll als Schauspielerin, Tänzerin und Prostituierte in Antiochia gelebt haben. Als sie durch eine Fügung die Predigt des heiligen Bischofs Nonno hörte, war sie so ergriffen, dass sie ihren bisherigen Lebenswandel aufgab und um die Taufe bat.

Pelagia
Pelagia
Foto: Archiv
Bischof Nonnos betet für Pelagia und ihre Gefährtinnen. Miniatur aus dem 14. Jahrhundert.
Bald nachdem in der frühen Kirche Christenverfolgungen und der Diasporastatus überwunden waren, stellte sich ein neues, gegenteiliges Problem. Wie sollte man angesichts der stets wachsenden Zahl von Taufbewerbern erkennen, ob jemand entschieden und überzeugt den Glauben annehmen wollte oder ob er es aus politischem Opportunismus tat? Die Berichte von Märtyrern wurden deshalb ergänzt durch Bekehrungsgeschichten, welche eine ebenso große Radikalität der Entscheidung ausdrücken sollten.

Eine der über Jahrhunderte am meisten verbreiteten Legenden war die der heiligen Pelagia von Jerusalem. Sie soll als berühmte und überaus schöne Schauspielerin, Tänzerin und Prostituierte unter dem Namen Margarita in Antiochia gelebt haben. Als sie durch eine Fügung die Predigt des heiligen Bischofs Nonno hörte, war sie so ergriffen, dass sie ihren bisherigen Lebenswandel aufgab und unter Tränen um die Taufe bat.

Danach und nach einem achttägigen Aufenthalt bei der Diakonin Romana kleidete sie sich in ein männliches Bußgewand und lebte bis zu ihrem Tod in strengs­ter Askese als Inkluse in Jerusalem. Von den Ratsuchenden, die sie aufsuchten, wurde sie als Mönch Pelagius angesehen, da durch die Auszehrung ihre Schönheit vergangen war. Pelagia symbolisierte für ihre Zeitgenossen die Kompromisslosigkeit einer echten Bekehrung: die Sünderin wurde zur Asketin, der alte Name wich dem neuen Ich, das weiblich Mangelhafte wandelte sich ins männlich Heroische.

Die Verbreitung der durchaus auch wegen ihres Unterhaltungswerts geschätzten Legende, deren Urfassung auf einen aus dem syrisch-palästinensischen Raum stammenden Redaktor mit dem Pseudonym Diakon Jakobos zurückgeht, hat ihren Hintergrund vermutlich in der Aufnahme gnostisch-dualistischer Vorstellungen in die christliche Literatur. Pelagia von Jerusalem gilt als Patronin der Schauspielerinnen und Schauspieler.

Christine Schmitt