22. Oktober: Blandina Ridder
In manchen Heiligenkalendern steht unter dem 22. Oktober der Name Blandina Ridder. Wer versucht herauszufinden, um wen es sich dabei handelt, wird nicht leicht fündig.Maria Ridder wurde 1871 in Anreppen im Rheinland geboren. Mit 18 Jahren trat sie in die Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des heiligen Augustinus ein und nahm den Namen Blandina an.
Nachdem Wilhelm Conrad Röntgen 1895 in Würzburg die Röntgenstrahlen entdeckt hatte, wurde 1898 im Kölner Bürgerhospital eine Röntgenabteilung eingerichtet. Dort arbeitete Schwester Blandina als erste Röntgenschwester. Die ersten Röntgenapparate erforderten eine weitaus längere Belichtungszeit als heutige Geräte, daher hielt Schwester Blandina Kinder und unruhige Patienten während der Aufnahme fest. Ebenso wie beim Prüfen des Härtegrads der Röhre hatte sie keinerlei Schutzkleidung an, denn die Gefahren der Röntgenstrahlen waren noch nicht bekannt.
Nach 18-monatiger Tätigkeit begann Blandinas Leidensweg. Ein Röntgenkarzinom löste Eiterungen an den Händen aus, machte dann die Amputation von Fingern, Hand und schließlich dem linken Arm notwendig. Mit Prothese und dem rechten Arm fertigte Blandina in der Fotoabteilung noch Aufnahmen für wissenschaftliche Zwecke an, bevor die Krankheit auch dies verhinderte. Mit Atembeschwerden und einer riesigen Wunde auf Brust und Rücken musste sie die letzten Monate ihres Lebens sitzend im Bett verbringen, bevor sie am 22. Oktober 1916 starb. Ihre qualvollen Leiden soll sie mit bewundernswerter Geduld ertragen und angenommen haben.
Überraschenderweise war es in Blandinas Fall nicht ihr Orden, sondern die Gesellschaft für Radiologie, die ihren „heroischen Tugendgrad" feststellen und sie auf einem Denkmal in Hamburg als „Märtyrin der Wissenschaft" verewigen ließ. Ein Mitarbeiter Blandinas schreibt: „Und wenn heute Kranke, Ärzte und Röntgenschwestern durch sichere Schutzvorrichtungen vor Röntgenschädigungen bewahrt bleiben, so verdanken wir es den Pionieren und früheren Opfern der Röntgenwissenschaft."
Christine Schmitt
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