2. Juli: Heinrich Magnani

Dass die Integration der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg oft glückte, war im Norden des Erzbistum auch dem Pfarrer von Hettingen, Heinrich Magnani, zu verdanken.

Auf die Menschen im nördlichen Teil des Erzbistums kamen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besondere Herausforderungen zu: Sie mussten nicht nur ihr eigenes Leben neu organisieren, sondern bis zu 200 000 Deutsche aus Polen, Tschechoslowakei und Ungarn aufnehmen. In Landkreisen wie Mosbach, Sinsheim und Buchen betrug der Anteil der Heimatvertriebenen im Herbst 1946 mehr als ein Viertel der Bevölkerung. Dass es gelang, war auch dem Pfarrer von Hettingen, heute Seelsorgeeinheit Buchen, Heinrich Magnani, zu verdanken.

1935 war der 1899 in Ettlingen geborene Magnani von seiner Kaplanstelle in Mannheim nach Hettingen versetzt worden, wohl um ihn dem Blickfeld der Gestapo zu entziehen. Er hatte sich gegen die Werbung der Hitlerjugend in den Schulen gewehrt, so dass ihm der Lehrauftrag für die Gewerbeschule entzogen wurde.

In Hettingen seit 1938 Pfarrer und auch Vorsitzender des Kreiscaritasverbandes, gründete er Ende 1945 die „Notgemeinschaft Hettingen", aus der ein Jahr später die katholische Baugenossenschaft „Neue Heimat" für den Landkreis Buchen hervorging. Einheimische und Zugewanderte bauten gemeinsam neu auf.

Magnani
Magnani

Trotz fehlender Finanzmittel sollten die Neubürger nicht benachteiligt werden. Da „eigener Herd Goldes Wert ist", setzte Magnani alles daran, das konfliktträchtige Kochen mehrerer Familien in einer Küche möglichst schnell zu beenden. Alle Spenden seiner Pfarrei sollten dafür ausgegeben werden: „Es wird keine der im Nationalsozialismus eingeschmolzenen Glocken ersetzt, ehe nicht alle einen eigenen Herd haben."

Heinrich Magnani versuchte außerdem, eine Lebensperspektive zu bieten: Er richtete Kurse für Arbeitslose ein, half mit, Schreinerei, Schlosserei und Schneiderei zu bauen und kümmerte sich um die vielen Waisenkinder. So entstand das Kinder- und Jugenddorf Klinge.

Barbara Henze