12. Dezember: Maria von Guadalupe
Wenn am 12. Dezember hunderttausende Mexikaner zum Gnadenbild der Maria von Guadalupe pilgern, sind unter ihnen viele Mestizen, Nachfahren spanischer Conquistadoren und indigener Einwohner.
Dass ihre Vorfahren nicht nur zwangschristianisierte Azteken sind, sondern die Christianisierung in Teilen Mexikos Ergebnis einer echten Bekehrungswelle im 16. Jh. war, ist dem Bild der „Guadalupana" zu verdanken. Auf wundersame Weise erschien es 1531 im Mantelinnern des Indiojungen Juan Diego, als er aufgrund einer Marienerscheinung bei seinem Bischof vorsprach.
Für europäische Augen mag das Bild aussehen wie eines von vielen Marienbildern. Für die Stämme des Náhuatl-Sprachraumes aber zeigt es in ihrer Bild- und Symbolsprache den Kern des Evangeliums: Die Schleife unterhalb der gefalteten Hände signalisiert eine Schwangerschaft. Direkt darunter zeigt eine Blume das Zeichen des höchsten Schöpfergottes, Maria steht als Beterin auf dem schwarzen Halbmond, dem Symbol Mexikos und verdeckt die Sonne, in der sich die alte Religion verkörpert.
Die traditionelle Geschichts- und Religionsschreibung der Aztekenvölker fand in Form von Bildcodizes statt. Den Großteil dieser schriftlichen Zeugnisse zerstörten europäische Eroberer als heidnisches Kulturgut. Das Marienbild übersetzt die Botschaft vom Gottessohn nun erfolgreich in dieser Bilderschrift. Damit wurde die Guadalupana „Mutter aller Mexikaner", Patronin und Ausgangspunkt der kulturellen Identifikation Mexikos. Der päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel bezeichnete sie 2007 als „Vorbild aller Medienschaffenden". In welchem Gewand sie wohl heute erschiene?
Katrin Gallegos Sánchez
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