9. Dezember: Juan Diego (Cuauhtlatohuac)
Juan Diego (um 1474–1548) und das Wunder von Guadalupe seien ein Modell für gelungene Inkulturation und Evangelisierung, so predigte Johannes Paul II. im Juli 2002 in Mexiko-City, als er vor großem Publikum mit Juan Diego den ersten Indio überhaupt heiligsprach.Foto: Archiv
Darstellung des jungen Indios Cuauhtlatohuac, der nach der Taufe den Namen Juan Diego annahm.
Die Marienerscheinungen von Guadalupe gehören in die Frühzeit der spanischen Inbesitznahme Mittelamerikas. Ab 1519 eroberten die Konquistadoren das Reich der Azteken, verwüsteten deren prächtige Hauptstadt und gründeten auf den Ruinen die Stadt Mexiko. Die Kultur der Urbevölkerung wurde weitgehend zerstört.
Im Gefolge der Soldaten nahmen franziskanische Missionare ihr Werk auf, zunächst ohne größeren Erfolg. Zu den wenigen Indios, die sich früh taufen ließen, zählte der junge Cuauhtlatohuac („sprechender Adler") aus einem mit den Azteken verwandten Indiovolk: 1525 trat er zum Christentum über und nahm den Namen Juan Diego an. Nach einem Bericht in der Indiosprache Nahuatl sei ihm an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Dezember des Jahres 1531 die Gottesmutter erschienen und habe ihm ihren Wunsch mitgeteilt, man möge ihr auf diesem Hügel eine Kirche erbauen.
Beim Bischof fand Juan Diego mit diesem Anliegen zunächst kein Gehör. Als er das dritte Mal bei ihm vorsprach, geschah das Wunder von Guadalupe: In sein Gewand aus Kaktusfasergewebe prägte sich das farbige Bild der Erschienenen ein. Nun wurde eine Kapelle errichtet, aus der heute die mächtige Wallfahrtsbasilika von Guadalupe geworden ist, eine der größten Wallfahrten der Erde. Ziel der Pilger ist das Gnadenbild von Guadalupe, jener Umhang Juan Diegos.
Claudius Heitz
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