17. Dezember: Jean Mabillon

Seine Familie wird sich gewundert haben, mit welchen Fragen sich der Junge beschäftigte. Er stammte aus einem kleinen Dorf in der Diözese Reims und wäre wahrscheinlich Bauer geworden, wenn nicht jemand mit den Eltern gesprochen und für sie seinen Schulbesuch in der Bischofsstadt bezahlt hätte.

Jean
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Foto: Archiv
Jean Mabillion (1632–1707). Büstendarstellung in der Kirche der Pariser Abtei Saint- Germain-des-Prés, wo er sich bis zu seinem Lebensende aufhielt.
In Reims ging er dann auch zur Universität und lernte die Mauriner kennen, den Zusammenschluss mehrerer Benediktinerklöster mit dem heiligen Maurus als Schutzpatron. Mabillon wurde Benediktiner und Mauriner. Er gehörte damit zu einem Netzwerk, das noch heute für seine Studien gerühmt wird. Zentrum war die Abtei Saint-Germain-des-Prés in Paris, weil in ihr aus allen Klöstern der Kongregation die zum Studium begabtesten Mönche gesammelt wurden. ­Jean Mabillon lebte und starb dort im Alter von 75 Jahren.

Seit den Tagen von Erasmus und Luther zog man Texte früherer Zeiten herbei, um in den theologischen Debatten stützende Argumente für oder gegen eine Position zu finden. Geschichtsstudien verfolgten einen Zweck. Wie konnte man dabei verhindern, dass die Worte der „Altvorderen" verdreht und eingesetzt wurden, gerade wie man es brauchte, aber nicht so, wie sie gemeint waren?

Mabillon dachte nach und schrieb das Standardwerk für historisches Arbeiten, indem er die Fragen beantwortete: Wie liest man alte Urkunden und datiert sie richtig? Wie entziffert man handschriftlich geschriebene Tex­te, auch wenn die Buchstaben zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich geschrieben wurden?

Weil er mit Blaise Pascal glaubte, dass theologische Wahrheit nicht der Vernunft entspringt und daher nicht der Spekulation überlassen werden darf, erdete er sie durch Belege von Erfahrungen und Gedanken der Tradition. Dafür sind wir ihm dankbar.

Barbara Henze