28. Dezember: Unschuldige Kinder

Wir wissen nicht wie sie hießen, wieviel sie waren und können Ort und Zeit ihrer Ermordung nicht historisch überprüfen. Nach dem Matthäus-Evangelium ließ König Herodes alle Kinder im Alter bis zu zwei Jahren in Bethlehem und Umgebung umbringen, um Jesus, den er als König der Juden fürchtete, aus dem Weg zu schaffen (Mt 2, 16).

Weil die Kinder anstelle von Jesus starben und ihr Tod Herodes in Sicherheit wiegte, weswegen er keine weiteren Nachforschungen anstellte, was Jesus und seinen Eltern das Leben rettete, wurden sie als Märtyrer verehrt.

Unschuldige
Unschuldige
Foto: KNA-Bild
Hans Wertinger, Kindermord von Bethlehem (1498), Diözesanmuseum Freising.
Einerseits hatte man theologisch Probleme damit, weil man sich fragte, wie sie Märtyrer, also Zeugen, sein konnten, ohne Jesus zu kennen und ohne getauft zu sein, andererseits wurde die Bezeichnung gern übernommen. Weil sie den grausamen Tod in einen überzeitlichen Zusammenhang einordnete, schwächte sie die Trauer um die Kinder ab zugunsten der Freude über ihre himmlische Erlösung.

Eine solche Sicht verlässt den biblischen Boden. Das Evangelium stellt im anschließenden Vers den Bezug zu Jer 31, 15 her. Nach Jeremia klagt die tote Rachel, die Mutter von Josef und Benjamin, aus dem Grab über das Schicksal ihrer in die assyrische Gefangenschaft weggeführten Nachkommen. „Rachel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren dahin" (Mt 2, 18). Zur Trauer über den endgültigen Verlust der Kinder kommt die Trauer über die Hilflosigkeit der Schwachen angesichts der Zerstörungswut der Mächtigen. Die Bibel bleibt realistisch.

Ein irisches Gebet aus dem 9. Jahrhundert betet für alle „Kinder der ganzen Welt, die Kreuz und Martyrium für Gott erduldeten, angeführt von den 2140 Kindern, die von Herodes in Bethlehem in Juda erschlagen wurden". Wir heute können die Leiden der Kinder dieser Welt sehr genau benennen, Millionen, die verhungern, sich durch harte körperliche Arbeit ruinieren, sexuell missbraucht werden, keine Chance haben, etwas aus ihren Begabungen zu machen, lieblos behandelt werden, weil sie stören. Jesus Christus blickt uns aus ihren Augen an.      

Barbara Henze