15. Januar: Paulus von Theben
Im vierten Jahrhundert erhob eine Mönchsvita den bislang unbekannten Paulus von Theben zum Ur-Einsiedler und stellte dessen kompromisslose eremitische Praxis als maßgeblich und ursprünglich dar.Im Jahresverlauf erscheint der Festtag des Eremiten Paulus von Theben (15. Januar) knapp vor dem des Wüstenvaters Antonius (17. Januar).
Jenseits des Heiligenkalenders aber ist die Frage umstritten, welcher der beiden Asketen vorausging – und zwar in die Abgeschiedenheit der ägyptischen Wüste. Wer vollbrachte im 3. Jahrhundert diese Pionierleistung und markierte damit den Beginn der christlichen Mönchsgeschichte?
Foto: Bildlexikon der Heiligen, Pattloch
Der Einsiedler Paulus von Theben auf einer russischen Heiligen-ikone aus der Zeit um 1800.
Ausgehend von dieser Vita beriefen sich in der Kirchengeschichte zahlreiche Eremitengemeinschaften auf Paulus als ihr Ideal, so der im 13. Jahrhundert entstandene Pauliner-Orden. Für sie war das Verhältnis zwischen kontemplativer Zurückgezogenheit und Hinwendung zur Welt durch die Übernahme seelsorglicher Aufgaben stets schwer zu bestimmen.
Tröstend, dass auch die Vita des großen Vorbildes nicht ganz ohne einen zwischenmenschlichen Kon- takt auskommt, sonst könnte sie ja gar nichts über diesen völlig abgeschiedenen Eremiten wissen. Der – nicht mehr erste – Wüstenvater Antonius habe den hochbetagten Paulus einmal besucht und später von dessen vollkommener Lebensführung berichtet.
Passend also, dass Paulus und Antonius uns als Doppelpack im Januar an die eigenen asketischen Vorsätze für das noch junge Jahr erinnern.
Daniel Gaschick
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