27. Januar: Angela Merici

In einer Zeit, in der für Frauen das Diktum „aut maritus aut murus" (entweder Ehemann oder Klostermauer) galt, suchte Angela wie viele ihrer Zeitgenossen und -genossinnen einen „dritten Weg" – eine Lebensform, die es Frauen erlaubte, sich selbstständig frei und eigenverantwortlich „in der Welt" zu engagieren.

Angerla
Angerla
Foto: Bildlexikon der Heiligen, Pattloch
Angela Merici, die Gründerin des Ordens der Ursulinen, als Pilgerin.
„Handelt im Leben so, wie ihr in Eurer Todesstunde wünschet gehandelt zu haben", zitiert ein Freund das Vermächtnis Angela Mericis, nachdem er sie kurz vor ihrem Tod am 27. Januar 1540 besuchte. Wer war diese Heilige, deren Begräbnis von Zeitgenossen mit dem eines Fürsten verglichen wurde?

In einer Zeit, in der für Frauen das Diktum „aut maritus aut murus" (entweder Ehemann oder Klostermauer) galt, suchte Angela wie viele ihrer Zeitgenossen und -genossinnen einen „dritten Weg" – eine Lebensform, die es Frauen erlaubte, sich selbstständig frei und eigenverantwortlich „in der Welt" zu engagieren.

Grund und Mitte dafür bildete ihre Gottesbeziehung, der sie lebensgestaltende Kraft zusprach. Jesus Christus, schreibt sie im „Fünften Gedenkwort", sei der einzige Reichtum ihrer „Töchter", also der Gefährtinnen, die der seit 1535 gegründeten „Com­pania de Santa Orsola" angehörten. Für sie verfasste sie eine einfache, kurze Regel, die jeder Einzelnen viel Raum lässt und besonders die geistliche Dimension der evangelischen Räte Gehorsam, Jungfräulichkeit und Armut betont. Die ersten Mitstreiterinnen legten darauf keine Gelübde ab. Vielmehr vertraute Angela in den eigenverantwortlichen Umgang mit der Regel und das Wirken des Heiligen Geistes.

Dieses unerschütterliche Vertrauen in die Wirkmacht Gottes hinterlässt sie den noch heute existierenden Ursulinen. So heißt es im Kapitel über den Gehorsam: „Vor allem (sollen sie) den Ratschlägen und Anregungen gehorchen, die der Heilige Geist fortwährend ins Herz gibt." Und betreffs ihres letzten Vermächtnisses „wenn es sich gemäß den Zeiten und Bedürfnissen ergeben sollte, etwas neu zu ordnen", mahnt Angela Merici: „Tut es klug und nach guter Beratung." Immer aber sei ihre „erste Zuflucht" Jesus Christus.

Katrin de Oliveira Gomes