6. Juli: Goar
Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit - dafür stand und steht der heilige Goar. So reicht seine Verehrung seit seinem Tod im Jahre 575 bis in die heutige Zeit.Eine der malerischsten Landschaften Deutschlands ist zweifelsohne das mittlere Rheintal zwischen Koblenz und Bingen, seit 2002 sogar Weltkulturerbe der UNESCO. Direkt gegenüber der Loreley, dem berühmt-berüchtigten Schieferfelsen, liegt das kleine Städtchen St. Goar, dessen Name und Wurzeln auf einen Heiligen zurückgehen, um den sich viele Legenden ranken.
Goar wurde um 495 in Aquitanien, im heutigen Südwestfrankreich, geboren, verließ nach seiner Priesterweihe die Heimat und ließ sich im Rheintal nördlich von Koblenz als Einsiedler nieder. Seine Ruhe konnte und wollte der Geistliche dort nicht sehr lange genießen, denn immer wieder nahm er, so wird berichtet, Arme und Kranke auf, pflegte sie und gab ihnen zu essen. Seine Zelle wurde darüber hinaus zur beliebten Anlaufstelle für Pilger, Reisende und die Besatzungen der anlegenden Rheinschiffe. Der Ruf seiner Gastfreundschaft verbreitete sich schnell, und mit dem Namen Goars wurde bald eine Vielzahl von Wundertaten in Verbindung gebracht.
Eine Legende erzählt, Goar habe ein Weinfass mitgebracht, welches sich niemals leerte, so viele Krüge man auch daraus schöpfte. Der Genuss des köstlichen Inhalts war allerdings an eine Taufe gebunden.
Eine weitere Geschichte soll das tiefe Gottvertrauen des Einsiedlers bezeugen: Der Bischof von Trier lud Goar eines Tages vor, um den Aufsehen erregenden Mann mit eigenen Augen zu betrachten und zu prüfen. Dabei verweigerte er dem Besucher einen Kleiderhaken, an dem er seinen Mantel aufhängen konnte. Der Heilige ignorierte diese Unhöflichkeit des Oberhirten und hängte sein Kleidungsstück kurzerhand an einem durch ein Fenster des Bischofspalastes hereinschauenden Sonnenstrahl auf.
Auch wenn dieses Kunststück wohl als legendär zu betrachten ist, beeindruckten Goars Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit seine Zeitgenossen so sehr, dass die Verehrung von seinem Tod um 575 bis in die heutige Zeit reicht. Unter anderem wird er als Patron der Winzer angerufen.
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