23. Januar: Eugen Bolz

„Politik ist nichts anderes als praktisch angewandte Religion." – Nach dieser Maxime handelte und lebte Eugen Bolz. Für einen gläubigen Katholiken war politisches Engagement während der Weimarer Republik gleichbedeutend mit dem Einsatz für die Zentrumspartei.

Eugen Bolz
Eugen Bolz
Foto: Archiv
Eugen Bolz (1881–1945).
Eugen Bolz gehörte aus tiefer Überzeugung dem Zentrum an. Am 15. Dezember 1881 wurde er als zwölftes Kind eines Kaufmanns in Rottenburg am Neckar geboren. Nach dem Jurastudium in Tübingen, Bonn und Berlin hatte er Mandate im Reichstag, der Weimarer Nationalversammlung und dem württembergischen Landtag inne. In Württemberg wurde er 1919 Justiz-, 1923 Innenminister und schließlich 1928 Staatspräsident.

Nach der Machtübernahme Hitlers wurde Bolz als „Landesverräter" aus dem Amt gewählt – zu deutlich hatte er sich bereits im Sinne der katholischen Soziallehre und gegen den Nationalsozialismus positioniert. Auf eine mehrwöchige „Schutzhaft" auf dem Hohenasperg folgte sein erzwungener Rückzug ins Privatleben. Er hielt jedoch weiter Kontakt zu Gleichgesinnten.

1941 schloss er sich dem Widerstand um Carl Goerdeler an; nach dem Sturz Hitlers sollte Bolz das Kultusministerium übernehmen. Nach dem gescheiterten Attentat Stauffenbergs vom 20. Juli 1944 inhaftierte man Bolz erneut. Vom Volksgerichtshof wegen „Aufforderung zum Hochverrat und Feindbegünstigung" verurteilt wurde das Urteil am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee vollstreckt.

Sein Abschiedsbrief an seine Frau Maria (geb. Hoeneß) und seine Tochter Mechthild macht deutlich, dass er seinen Tod als sein Kreuz annahm. Er setzte sein Leben für das ein, was er als Aufgabe aller katholischen Christen ansah: „Bei offensichtlichem und dauerndem Missbrauch der Staatsgewalt besteht ein Notwehrrecht des Volkes. Es ist gebieterische Pflicht der Katholiken, den Protest lebendig und stark zu erhalten."

Christine Schmitt