22. Januar: Vinzenz Pallotti

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) sagte Papst Paul VI. über den Priester Vinzenz Pallotti, er habe das Zukunftsbild der Kirche geschaut. Was meinte er damit?

Pallotti
Pallotti
Foto: Bildlexikon der Heiligen, Pattloch
Vinzenz Pallotti, nach einer Pastellzeichnung von Alfred Gottwald aus dem Jahr 1950.
Pallotti, 1795 in Rom geboren und dort 1850 gestorben, erlebte eine Kirche, die zwar in ihrer Bindung an Traditionen stark, in ihren Strukturen jedoch verwundbar war: Der zweimalige Sturz der päpstlichen Führungsmacht zeigte ihm, dass die Zukunft der Kirche letztlich nicht von geschickter Machtpolitik abhing, sondern von einer Rückbesinnung darauf „den Glauben zu beleben und die Liebe neu zu entzünden und überall in der Welt zu verbreiten".

Pallotti glaubte, dass das geweihte Priestertum allein mit der notwendigen Erneuerung überfordert war, und verlangte daher, dass alle Christen am Apostolat (Verbreitung des Glaubens) zu beteiligen seien. Handwerker, Intellektuelle, Kranke und Bettler – in jedem entdeckte er eine apostolische Begabung.

Doch für diese Vision war im damaligen kirchlichen Denken und Recht wenig Raum. Pallotti konnte seine Ideen zunächst lediglich in einer Kongregation des Katholischen Apostolates (einer innerkirchlichen Vereinigung) verfolgen. Doch dies verhinderte nicht, dass sie sich fortsetzten und ausbreiteten. Obwohl in Armut und Ehelosigkeit lebend, betrachten sich die Mitglieder der Kongregation noch heute als Laiengemeinschaft – nicht als (geweihte) Ordensbrüder und -schwestern.

Die Pallottiner sind auf der ganzen Welt vertreten und in allen Gebieten der Seelsorge und Mission tätig. Die wichtigste Bestätigung aber fanden Pallottins Ideen 130 Jahre nach ihrer Formulierung im Dekret über das Laienapostolat des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Zu diesem Apostolat werden alle vom Herrn selbst durch Taufe und Firmung bestellt" (Lumen gentium 33). Noch während dieses Konzils wurde Vinzenz Pallotti 1963 heilig gesprochen.

Alexander Neumann