6. Februar: Dorothea

Ihr Obst- oder Blumenkorb als typisches Attribut weist die heilige Dorothea eindeutig aus.

Dorothea
Dorothea
Foto: KNA-Bild
Obst- oder Blumenkorb? Darstellung der heiligen Dorothea auf einem Flügelaltar des Berthold von Nördlingen (nachweisbar ab 1404).
„Barbara mit dem Turm, Margaretha mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl." Mit diesem Merkspruch im Hinterkopf lässt sich so manche Heiligen-Darstellung anhand der typischen Attribute entschlüsseln. Oft gesellt sich zu diesen drei prominenten Nothelfern noch eine weitere heilige Jungfrau, deren Obst- oder Blumenkorb sie ebenso eindeutig ausweist: die heilige Dorothea.

Die spärlichen geschichtlichen Nachrichten vom Leben und Sterben dieser Heiligen zur Zeit der diokletianischen Christenverfolgungen wurden um jene Episode bereichert, nach der Dorothea auf dem Weg zur Richtstätte immer wieder den Namen ihres himmlischen Bräutigams Jesus Christus aussprach. Dies hätte den zuständigen Gerichtsschreiber Theophilus zur höhnischen Aufforderung veranlasst, ihm doch Blumen und Früchte aus dem Garten dieses Bräutigams zu schicken.

Da soll plötzlich ein engelgleicher Knabe ein Körbchen voller Obst und Blumen aus dem Paradiesgarten gebracht und somit Theophilus zum Bekenntnis an Jesus Christus bewegt haben. Das Wunder erschien umso größer, als dass es mitten im kalten Winter geschah wie bis heute eine Bauernregel betont: „St. Dorothee – watet gern im Schnee."

Möglicherweise war der Name „Dorothea" in seiner Deutung als „Gottesgeschenk" die Inspirationsquelle für diese Erzählung von Dorotheas Blumenkörbchen. Weniger einfallsreich erwiesen sich die Legendenschreiber bei der Namensfindung für die Eltern der verehrten Märtyrerin: Der Vater „Dorus" und die Mutter „Thea" und deren Ehe werden schon vom Namen her ganz ihrer Tochter und dem höher angesehen Ideal ihrer Jungfräulichkeit zugeordnet. Überraschend, dass die Jungfrau Dorothea im Laufe der Zeit nicht nur das Patronat für die Gärtner und Blumenhändler übernahm, sondern bis heute als Fürsprecherin für Neuvermählte, Bräute, Wöchnerinnen und bei Geburtswehen gilt.

Daniel Gaschick