23. März: Toribio de Mogrovejo

Der spanische Inquisitor und spätere Erzbischof Toribio de Mogrovejo kämpfte mit der dritten Synode von Lima gegen die gewalttätige Mission der Indios.

Toribio de Mogrovejo war ein Freund der Indios.

Die Frage, ob das Bemühen um Toleranz nicht den Missionsgedanken verbietet oder zumindest abschwächt beziehungsweise umgekehrt, ob nicht Missionseifer Intoleranz fördert, wenn nicht voraussetzt, hat eine lange Vorgeschichte.

Toribio Alfonso de Mogrovejo (18. November 1538 bis 23. März 1606), Erzbischof von Lima seit 1580, gehört in diese Geschichte hinein. Im  Nordwesten Spaniens geboren, hatte er recht erfolgreich Jura studiert und war dem spanischen Königshof aufgefallen. Philipp II. ernannte ihn 1575 zum Inquisitor in Granada, eine problematische Aufgabe. Seit der Eroberung Granadas 1492, der letzten maurischen Stadt in Spanien, waren die Unruhen dort nicht abgerissen, der letzte Aufstand lag erst wenige Jahre zurück. Die heikle Lage zwischen Christen und Moriskos (getauften Muslimen) scheint Toribio gut gemeistert zu haben, denn nur drei Jahre später ernannte der spanische König ihn zum Erzbischof von Lima. Da er Laie war, hatte er sich auf den geistlichen Dienst vorzubereiten und die Weihen nachzuholen.

Als Erzbischof berief er die dritte Synode von Lima ein (1582/1583), auf der er zusammen mit dem Jesuiten José de Acosta einen Katechismus herausgab, der erstmals den Indios in ihren Sprachen Quechua und Aymará den christlichen Glauben nahe brachte. Damit sollte der bis­herigen gewalttätigen Missionsmethode entgegengearbeitet werden. Zugleich beschloss die Synode, in Zukunft die Missionstätigkeit stärker von der spanischen Eroberung zu trennen. Es war die Tragik Toribios, dieses großen Freundes der Indios, dass diese Weichenstellung zu spät kam. Weder erholten sich die Indios von den Gewalttaten der Eroberer, noch gelang der Kirche eine völlige Trennung von den Kolonialmächten.

Barbara Henze