10. November: Papst Leo der Große

Vom Nachfolger zum Stellvertreter: Mit Papst Leo dem Großen stand der Bischof von Rom als Stellvertreter des Apostels Petrus erstmals in Rang und Vollmacht über allen anderen Bischöfen.

Papst Leo I., genannt „der Große“ in einer Darstellung des spanischen Malers Francisco de Herrera.
Als Leo I. im Jahre 440 durch das Volk in Rom zum Bischof gewählt wurde, waren die Weichen in Richtung einer Vorrangstellung des Papstes in der gesamten Kirche bereits gestellt. Leo war jedoch der erste Papst, der sich nicht nur als Nachfolger, sondern als Stellvertreter des Apostels Petrus verstand. Er berief sich dabei auf das römische Erbrecht. Die Vollmacht, die Jesus an Petrus übertragen hatte, wurde seinen Nachfolgern in Rom gleich einem Erbe mit allen Rechten und Pflichten weitergegeben. Damit stand der römische Bischof in Rang und Vollmacht über allen anderen Bischöfen.
 
Während Kaiser Valerian, Herrscher über das Weströmische Reich, 445 diese päpstliche Rechtsgewalt auf seinem Staatsgebiet bestätigte, war dies im Ostreich keineswegs so. Als man sich im Osten um die Frage nach dem Verhältnis von göttlicher und menschlicher Natur Christi stritt, bezog Leo Position. Darauf berief der oströmische Kaiser Theodosius II. 449 eine Synode nach Ephesus ein, die die im Westen verbreitete Lehre verurteilte und die päpstlichen Gesandten nicht mal zu Wort kommen ließ. Die Beschlüsse der „Räubersynode von Ephesus“ wurden zwar zwei Jahre später auf dem Konzil von Chalcedon zurückgenommen und die Lehre auf der Grundlage von Leos Ausführungen festgeschrieben. Die Bischöfe gestanden aber dem Patriarchen von Konstantinopel eine ähnliche Position für den Osten zu, wie Leo für den Westen.
 
Leo ließ sich dadurch in seinem Selbstverständnis nicht beirren. Er verweigerte die Anerkennung dieses Beschlusses und griff bei aufkommenden Irrlehren immer wieder ordnend ein. Dass der Kirchenlehrer eine herausragende Persönlichkeit gewesen sein muss, zeigt sich auch in seinem Verhandlungserfolgen mit den hereinbrechenden Hunnen und Vandalen. Den Hunnenkönig Attila soll er gar dazu bewogen haben, sich aus Italien zurückzuziehen.
Stefanie Schneider