
Papst Leo I., genannt „der Große“ in einer Darstellung des spanischen Malers Francisco de Herrera.
Während Kaiser Valerian, Herrscher über das Weströmische Reich, 445 diese päpstliche Rechtsgewalt auf seinem Staatsgebiet bestätigte, war dies im Ostreich keineswegs so. Als man sich im Osten um die Frage nach dem Verhältnis von göttlicher und menschlicher Natur Christi stritt, bezog Leo Position. Darauf berief der oströmische Kaiser Theodosius II. 449 eine Synode nach Ephesus ein, die die im Westen verbreitete Lehre verurteilte und die päpstlichen Gesandten nicht mal zu Wort kommen ließ. Die Beschlüsse der „Räubersynode von Ephesus“ wurden zwar zwei Jahre später auf dem Konzil von Chalcedon zurückgenommen und die Lehre auf der Grundlage von Leos Ausführungen festgeschrieben. Die Bischöfe gestanden aber dem Patriarchen von Konstantinopel eine ähnliche Position für den Osten zu, wie Leo für den Westen.
Leo ließ sich dadurch in seinem Selbstverständnis nicht beirren. Er verweigerte die Anerkennung dieses Beschlusses und griff bei aufkommenden Irrlehren immer wieder ordnend ein. Dass der Kirchenlehrer eine herausragende Persönlichkeit gewesen sein muss, zeigt sich auch in seinem Verhandlungserfolgen mit den hereinbrechenden Hunnen und Vandalen. Den Hunnenkönig Attila soll er gar dazu bewogen haben, sich aus Italien zurückzuziehen.
Stefanie Schneider