
Bernhard Letterhaus, christlicher Gewerkschaftsführer, am 13. November 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin.
Damit stand er am Endpunkt seines gradlinigen Lebensweges. Begonnen hatte er im Ruhrgebiet, im Milieu der katholischen Arbeiterschaft. In der christlichen Gewerkschaft setzte sich der Textilarbeiter für soziale Gerechtigkeit und für die Bildung und geistige Schulung der Arbeiter ein. 1927 wurde er Verbandssekretär des westdeutschen KAB. Letterhaus war überzeugter Demokrat und engagierte sich als Zentrumsabgeordneter im preußischen Landtag. Früh erkannte er die Gefahr des Nationalsozialismus. „Falsche Propheten mit einem Kreuz auf der Fahne, das aber nicht das Zeichen des Welterlösers ist, ziehen durch Städte und Dörfer. Sie verwüsten die Herzen des leidenden Volkes“, warnte er bereits 1930.
Als Hitler an die Macht kam, zog er sich nicht zurück. Mit Artikeln in einer Arbeiterzeitung setzte er sich, soweit ihm das möglich war, für christliche Werte, für Wahrheit und Gerechtigkeit ein, bis die Nazis das Blatt verboten. Daneben suchte er den Kontakt mit Oppositionellen und kam schließlich mit Pater Alfred Delp, dem seligen Nikolaus Groß und Carl Goerdeler zusammen. So wurde auch Letterhaus, der Arbeiterführer und christliche Demokrat, zum Widerstandskämpfer – und zu einem Märtyrer für eine bessere Welt. Sein Andenken wird besonders in den katholischen Arbeitervereinen lebendig gehalten.
Claudius Heitz