4. März: Placida Viel
Wie muss eine Frau beschaffen sein, von der ein Bischof des 19. Jahrhunderts sagt: „Ich könnte ihr die Zügel meiner Diözese anvertrauen und dabei ganz ruhig schlafen"? Es war Victoire Eulalie Jacqueline Viël nicht in die Wiege gelegt, zu einem solchen Ruf zu gelangen.Am 26. September 1815 wurde sie im Dorf Val Vacher in der Normandie als achtes von elf Kindern in bescheidenen Verhältnissen geboren. Im Alter von siebzehn Jahren trat sie der neuen Schulschwesternkongregation "Arme Töchter der Barmherzigkeit" in der Abtei Saint-Sauveur-le-Vicomte bei. Zusammen mit den anderen Novizinnen wurde sie - nun mit dem Ordensnamen Placida - von deren Gründerin Maria Magdalena Postel geistlich unterwiesen.
Früh sah diese sie für wichtige Aufgaben vor und übertrug ihr die Leitung des Noviziats. Eine Herausforderung stellte für die schüchterne Placida der Auftrag Maria Magdalena Postels dar, in der feinen Pariser Gesellschaft Spenden für den Wiederaufbau der Abteikirche einzuwerben.
Als Maria Magdalena Postel starb, wählte das Generalkapitel 1846 die erst 31-jährige Placida Viël zu ihrer Nachfolgerin. Als solche reiste sie 1859 nach Rom, um die päpstliche Anerkennung der Kongregation und die Seligsprechung Postels zu erreichen. Unter Placidas Leitung verzehnfachte sich die Zahl der Schwestern und die der Niederlassungen stieg von 37 auf 105.
Im thüringischen Eichsfeld gründete sie 1862 mit vier jungen Lehrerinnen die erste deutsche Niederlassung (seit 1920 selbstständig, später als "Heiligenstädter Schulschwestern"). Der Kontakt war über eine Pariser Niederlassung entstanden, die sich um deutsche Einwandererfamilien kümmerte.
Als bald darauf der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, versorgten die Schwestern in den Lazaretten und sogar in der Abtei vorurteilsfrei Soldaten beider Nationen. Angestrengt von vielen Reisen aber auch Konflikten in der Gemeinschaft, starb Placida Viël am 4. März 1877. 1951 wurde sie seliggesprochen.
Christine Schmitt
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