9. März: Margarita Eder

Äußerst feinfühlig und tief politisch zog Margarita Eder ihren Horizont immer weiter.

Margarita
Margarita
Foto: privat
Für Margarita Eder gehörten Beten und Handeln zusammen. Sie bereitete das Konzil der Jugend in Taizé 1974 mit vor und ging 1981 als Entwicklungshelferin nach Kolumbien.
Sie war eine der 40000, die im Spätsommer 1974 in Taizé zum Konzil der Jugend zusammenströmten. Jahrelang hatte sie mitgeholfen, es vorzubereiten, vor allem durch Reisen in die osteuropäischen Länder. Ihre Heimatstadt Wien, wo sie Englisch und Philosophie studierte und dann an Gymnasien unterrichtete, lag am "Eisernen Vorhang". Das Telefon klingelte oft, die Reisepläne überschlugen sich, ihre Wohnung war Durchgangsstation für viele Gleichaltrige.

Einmal holte sie zum Entsetzen der Mitreisenden hinter der Grenze stoßweise Taizébücher aus dem Reisegepäck, deren Einfuhr verboten war. Mit unbestechlichem Blick sah sie, wo Menschen auf andere angewiesen sind, bereitete Gottesdienste im Gefängnis vor, half im Behinderten- und Erziehungsheim mit, feierte mit Obdachlosen Weihnachten und betreute Haftentlassene. Sie wuchs in die entstehende Friedensbewegung hinein, trug nächtelange Mahnwachen mit, unterstützte Hungerstreikende gegen Panzerlieferungen nach Chile, fiel der Polizei auf. Beten und Handeln gehörten für sie zusammen.

Äußerst feinfühlig und tief politisch zog sie ihren Horizont immer weiter. Ende 1981 ging sie als Entwicklungshelferin nach Kolumbien, auf der "Suche nach Hoffnung inmitten der Resignation vor der Gewalt". An ihrem 33. Geburtstag schriebt sie von einem "Leichenzug, der umkehrt und darauf wartet, dass die Polizei ein Kind herausgibt". Es hatte ein Plakat getragen, das die Gewalt anprangerte. "Der gewaltsame Tod erzeugt Hass und Verzweiflung. Die Elektrizität der Liebe abdrehen, einfach so, als wäre sie nicht wichtig, vielleicht müssen wir mit der Kerze in der Hand vor dem Regierungsgebäude um Licht schreien."

Zwei Tage danach, am 9. März 1982, kam sie bei einem Verkehrsunfall in den Bergen Putumayos ums Leben.

Patrizia Baxla