18. März: Constantin von Dietze

„Immer, wenn ich an einen betenden Menschen denke, sehe ich dieses Bild vor mir." Diese Erinnerung an Constantin von Dietze stammt von jener Studentin, während deren Rigorosumsprüfung er verhaftet wurde. Völlig gefasst und geborgen in seinem Herrgott sei er gewesen, als die Gestapo ihn im September 1944 aus der Freiburger Universität abführte.

Constantin von Dietze
Constantin von Dietze
Foto: privat
Das Kriegsende bewahrte ihn vor dem sicheren Todesurteil: Constantin von Dietze.
Von Dietze wurde 1891 in Calbe an der Saale geboren. Er war Leutnant im Ersten Weltkrieg und seit 1922 als Agrarwissenschaftler habilitiert. Seinen Berliner Lehrstuhl musste er 1937 räumen, weil er Mitglied der Bekennenden Kirche war und ging dann nach Freiburg.

Er erkannte die moralische Ambivalenz seiner Professur, aber wie sollte man sich als Christ seinerzeit verhalten? Gut biblisch dem rechtmäßigen Staatsoberhaupt untertan sein? Aber war dieses Regime rechtmäßig oder zeigte sich in ihm Teuflisches? Mit seinen Kollegen Walter Eucken und Adolf Lampe bildete von Dietze seit 1938 einen Gesprächskreis, dessen Antriebskraft der gemeinsame Glaube war: "Widerstehet dem Teufel." Um diese Kerngruppe formierten sich drei Freiburger Kreise, die in der Ausarbeitung einer Denkschrift eine Gesellschaftsordnung für die Zeit nach dem Nationalsozialismus vorbereiteten.

Die Verbindung zu anderen Widerstandsgruppen um Goerdeler und Bonhoeffer wurde von Dietze nach dem Hitlerattentat zum Verhängnis. Dem sicheren Todesurteil kam das Kriegsende zuvor.

Nach Freiburg zurückgekehrt bemühte Dietze sich als Wissenschaftler um eine sozial und ökonomisch sinnvolle Agrarpolitik, trieb als Rektor der Albert-Ludwigs-Universität 1946-1949 deren Wiederaufbau voran und leitete von 1955 als Präses die gesamtdeutsche Synode der EKD bis zu deren Ende 1961.

Der "CvD" - "Christ vom Dienst", wie ihn Studenten während des Krieges nannten, verstarb am 18. März 1973 in Freiburg.

Katrin Gallegos Sánchez