16. April: Joseph Cornelius Roissaint
Durch die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ vom 21. März 1937 hatte die katholische Kirche sich höchstoffiziell von der nationalsozialistischen Weltanschauung distanziert. Im Gegenzug verstärkte das Regime seine Diskreditierung des katholischen Klerus. Eine wichtige Rolle spielte dabei der „Hochverratsprozess“ gegen Joseph Cornelius Rossaint (geboren am 5. August 1902), der als Kaplan und Jugendseelsorger im Rheinland gewirkt hatte.Foto: aixpax.de
Ohne Berührungsängste auf der Suche nach Verbündeten: Joseph Cornelius Rossaint (1902–1991).
Politisch war er als Zentrumsmitglied für eine gerechtere Sozial- und Wirtschaftsordnung eingetreten, indem er katholische und sozialistische Ideen zusammenzudenken wagte. Scheuklappen kannte Kaplan Rossaint offensichtlich nicht. So hatte er auch den Mut, nach der nationalsozialistischen Machtergreifung mit kommunistischen Untergrundkreisen über die Möglichkeiten eines gemeinsamen Widerstandes nachzudenken. Im Januar 1936 wurde er deswegen von der Gestapo verhaftet.
Sein Prozess im April 1937 diente den Nationalsozialisten dazu, eine hochverräterische „katholisch-kommunistische Einheitsfront" zu propagieren. Rossaint wurde vom Berliner Volksgerichtshof zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem Krieg kehrte er nicht wieder in den priesterlichen Dienst zurück, da der Kölner Erzbischof Frings verlangte, er solle alle Kontakte zu kommunistischen Mitgefangenen aus dieser Leidenszeit abbrechen. Das aber wäre für Kaplan Rossaint wirklich „Verrat" gewesen. Er starb am 16. April 1991.
Daniel Gaschick
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