17. April: Soja Krachmalnikowa

Ihr Engagement für den Glauben kostete sie nicht nur ihre Karriere, sie musste dafür auch Verfolgung und Bestrafung in Kauf nehmen. Doch in allen Schwierigkeiten konnte sie ihren Glauben als einen Weg begreifen, auf dem „sich immer wieder neu am Rande der Verzweiflung unerwartet die stille Hoffnung erhebt".

Soja
Soja
Foto: Baxla
Soja Krachmalnikowas 1995 erschienenes Buch „Höre, Gefängnis!“ enthält Briefe und Notizen aus der Haft.
Soja Krachmalnikowa wird am 14. Januar 1929 in der Ukraine geboren. Bis 1954 studiert sie Literatur in Moskau. Schon während ihrer Promotion veröffentlicht sie literaturwissenschaftliche Studien. Bald darauf folgt die Habilitation. Doch mit ihrer Hinwendung zum orthodoxen Christentum 1971, findet ihre Karriere ein plötzliches Ende. Krachmalnikowa verliert ihre Arbeitsstelle und erhält Publikationsverbot. Fortan schreibt sie Texte über die Verfolgung und Unterdrückung der Kirche in Russland und engagiert sich für die religiöse Erneuerung der orthodoxen Kirche.

1976 beginnt sie mit der Veröffentlichung eines Sammelwerks, „Nadežda" („Hoffnung"), das sich an eine breite, religiös interessierte Leserschaft richtet und Texte enthält, die in der UdSSR unbekannt oder verboten sind: Auszüge aus Schriften der Kirchenväter, Predigten, Heiligenviten sowie theologische Beiträge. Einige Beiträge werden Jahre später in Frankfurt auf Russisch publiziert und in die UdSSR geschmuggelt.

Im August 1982 wird Krachmalnikowa verhaftet. Das Gericht legt ihr die Veröffentlichung religiöser Beiträge zur Last. Nachdem sie jedes Schuldeingeständnis ablehnt, wird sie zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Verbannung in Sibirien verurteilt. 1987 kommt sie im Rahmen der Amnestie für Glaubens- und Gewissensgefangene frei.

Ende der 80er-Jahre verfasst sie Beiträge zur russischen Kirche, der sie Kollaboration mit den kommunistischen Machthabern vorwirft. Am 17. April 2008 stirbt sie nach langer Krankheit im Moskau.

Anna Patrizia Baxla