5. Juni: Konrad Rapp

„Konradsaal" heißt der große Saal des Pfarrzentrums von St. Nikolaus in Elzach. Die Pfarrgemeinde hält damit die Erinnerung an einen jungen Mann aus ihren Reihen wach, der am 7. Januar 1896 als Fritz Rapp in Elzach geboren und mit 36 Jahren in der Mandschurei ermordet wurde. Wie konnte es dazu kommen?

Konrad Rapp
Konrad Rapp
Foto: Institut für Frömmigkeitsgeschichte, Freiburg
Pater Konrad Rapp bei seiner Primiz im heimatlichen Elzach.
Japan hatte das Machtvakuum nach dem Zerfall des chinesischen Kaiserreichs 1912 ausgenutzt, die Mandschurei besetzt und im Feb­ruar 1932 den neuen Staat Mandschukuo ausgerufen. Paramilitärische Widerstandsgruppen gegen die Besatzer wurden einerseits vom kommunistischen Russland  unterstützt, andererseits vom China unter Chiang Kai-shek. Bürgerkriegsähnliche Zustände waren die Folge.

In dem Bericht, der sein letzter sein sollte, und den das Konradsblatt am 17. 7. 1932 druckte, berichtete Pater Konrad von Überfällen auf die Bevölkerung, unter denen auch die Christen zu leiden hatten. Der Vorstand eines Jungmännervereins wurde überfallen, ihr Vervielfältigungsapparat entwendet, später das Haus eines Mitglieds angezündet. Brandstiftung wurde auch gegen eine gerade geweihte Wallfahrtskirche geübt.

Um angekündigte Anschläge auf die Hauptkirche vereiteln zu können, ließ der Pater Wachen aufstellen. Die örtliche Polizei, die er über die Drohungen gegen seine Person informierte, versprach Hilfe; seiner Einschätzung nach war sie dazu aber nicht in der Lage. Er sollte Recht behalten.

Auf dem Weg zur Beerdigung seines an Typhus verstorbenen Mitbruders, Pater Silvester Aschoff, am 5. Juni 1932 traf er bei einbrechender Dunkelheit in der Nähe der Missionsstation auf eine Gruppe japanischer Soldaten, die, anscheinend angetrunken, ihn aufforderten, sich auszuweisen. Dass er dies vom Pferd herab tat, ärgerte sie; sie misshandelten und erschossen ihn. Seine Leiche wies 35 Stichwunden von Bajonetten und zwei Einschüsse auf.

Barbara Henze