21. Juni: Otto Spülbeck
Ein spannendes und zugleich umstrittenes Kapitel der 40-jährigen Geschichte der DDR ist das Verhältnis zwischen dem sozialistischen Staat und der katholischen Kirche. Als der langjährige Bischof von Meißen, Otto Spülbeck, auf dem Kölner Katholikentag 1956 die Situation der katholischen Kirche mit dem Leben in einem „fremden Haus, dessen Grundfesten wir nicht gebaut haben“ beschrieb, war eine neue Umschreibung für dieses Verhältnis gefunden.Otto Spülbeck wurde am 8. Januar 1904 in Aachen geboren. Nach dem Abitur begann er 1923 ein Studium der Naturwissenschaften in Bonn, wechselte 1924 Universität und Studienfach und studierte in Innsbruck und Tübingen Theologie und Philosophie. Nach dem Abschluss seines Studiums trat er in das Priesterseminar der Diözese Meißen ein – er entschied sich bewusst für die Arbeit in der Diaspora. Schließlich wurde Spülbeck am 5.April 1930 im Bautzener Dom zum Priester geweiht und arbeitete von da an in Chemnitz und Leipzig. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum Probst von Leipzig ernannt, wirkte er als Leiter der Caritasarbeit am Wiederaufbau der Stadt mit.
Als Bischof Spülbeck 1955 die Amtgeschäfte übertragen wurden, lag der niedergeschlagene Volksaufstand vom 17. Juni zwei Jahre zurück. Von der Ungerechtigkeit des sozialistischen Staates überzeugt, stellte er seine bischöfliche Amtszeit in vielfältiger Weise in den Dienst der Verständigung: Er intensivierte den ökumenischen Dialog, förderte die konstruktive Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften und forderte seine Mitchristen immer wieder auf, das notwendige Engagement im „falschen Haus" des SED-Regimes aufzubringen.
Während der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils konnte Otto Spülbeck erleben, wie zahlreiche seiner Anliegen von der Gesamtkirche aufgenommen und zur Umsetzung gebracht wurden. Maßgeblich arbeitete er an der Liturgiekonstitution mit, seine Leidenschaft waren jedoch die naturwissenschaftlichen Fragen.
Nach dem Konzil setzte er sich auf der von ihm initiierten Meißner Diözesansynode mit aller Kraft für die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse ein. Kurz nach Ende der dritten Sitzungsperiode erlitt Bischof Spülbeck am 21. Juni 1970 auf der Heimfahrt von einer Frauenwallfahrt einen Herzinfarkt und starb am gleichen Tag in Mittweida/Sachsen. Das Leitwort der Wallfahrt lautete: „Im Dienst der Versöhnung."
Valentin Schneider
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