22. Juli: Maria von Bethanien und Maria Magdalena

Maria von Bethanien, der Schwester von Martha und Lazarus, wird am gleichen Tag gedacht wie Maria Magdalena. Oder vielmehr: eine eigenständige Tradition der erstgenannten Maria fehlt weitgehend, da sie seit dem frühen Mittelalter mit Maria Magdalena identifiziert wurde.

Wie kommt das? Die Vorstellung der Magdalena als gefallene Prostituierte und bekehrte Sünderin wurzelt in den Predigten Gregors dem Großen. Dieser vereint die Magdalena mit der namenlosen Sünderin aus Lk 7 und Maria von Bethanien; später wurde auch Maria von Ägypten Teil der Magdalenenlegende. Daraus entwickelt sich in der Westkirche eine Tradition, die bis zum heutigen Tag lebendig ist, wie die häufige Umsetzung in Malerei und Literatur zeigt.

In der Ostkirche dagegen kommt es nicht zu einer Vermischung der verschiedenen biblischen Figuren. Dort bleibt eine ursprünglichere Maria von Magdala erhalten, die als Jüngerin Jesu und Auferstehungszeugin verehrt wird. So schreibt Modestos von Jerusalem (7. Jahrhundert) Maria von Magdala eine hervorragende Stellung in der nachösterlichen Jüngergemeinde zu und sieht in ihr gar ein Pendant zu Petrus. In der Westkirche wird das traditionelle "vielgesichtige" Magdalenenbild seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufgebrochen (In der Profanliteratur und damit verbunden in weiten Teilen der Gesellschaft bleibt es jedoch erhalten).

Melanie Bloss