26. November: Regine Hildebrandt

Als zweites Kind eines Unterhaltungsmusikers am 26. April 1941 in Ostberlin geboren, begeisterte Regine eine andere Musikrichtung: Weihnachten 1954 bekam sie das „geistliche Chorbuch", das Standardwerk für Kirchenchöre, geschenkt, aus dem sie bis an ihr Lebensende sang.

Regine Hildebrandt
Regine Hildebrandt
Foto: epd-Bild
Regine Hildebrandt (1941–2001).
Als Jugendliche gehörte sie bewusst der Jungen Gemeinde an und nicht den Jungen Pionieren oder der FDJ. Durch Zufall bekam sie dennoch einen Studienplatz in Biologie an der Humboldt-Universität, konnte sogar promovieren. Mit ihren Fachkenntnissen erleichterte sie zuckerkranken Kindern die Behandlung und „erfand" in der DDR-Mangelwirtschaft den unbedenklichen Mehrfachgebrauch von Einwegspritzen aus dem Westen.1966 hatte sie Jörg Hildebrandt, Sohn ihres Gemeindepfarrers, geheiratet, bald wurden drei Kinder geboren.

Ihre evangelische Heimatkirche stand auf dem Todesstreifen an der Bernauer Straße und wurde später gesprengt. Hildebrandts ließen sich nicht entmutigen. Die Berliner Domkantorei, in der sie mitsangen, durfte weder plakatieren noch Eintrittsgelder nehmen. „Durchhalten, festes Wollen – wir machen Kirchenmusik für die Gemeinde, für die Krankenhäuser, fürs Konzertpublikum –, dieses Gottvertrauen und der Zusammenhalt, das war's!", erinnerte sich Regine Hildebrandt später.

1989 begann sie sich offen politisch zu engagieren, zunächst bei der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt," dann in der neu gegründeten SPD und kam als Ministerin für Arbeit und Soziales ins erste frei gewählte Parlament der DDR. Dasselbe Ressort betreute sie ab 1990 im Bundesland Brandenburg.

1996 wurde ihre Brustkrebserkrankung publik, mit der sie offen umging. Bis zu ihrem Tod nahm sie ungerührt Termine in ländlichen sozialen Einrichtungen wie auf Kirchen- und Parteitagen wahr und stritt leidenschaftlich um soziale Lösungen für die benachteiligten Gegenden der neuen Bundesländer. Regine Hilde­brandt verstarb am 26. November 2001. 

Anna Patrizia Baxla