1. August: Fides, Spes, Caritas

Frauen mit den Vornamen Fides, Spes und Caritas, auf Deutsch: Glaube, Hoffnung und Liebe, hat es tatsächlich gegeben. Das belegen Inschriften aus der Antike. Die Geschichte dreier Märtyrerinnen dieses Namens ist aus der Zeit nach dem sechsten Jahrhundert überliefert.

Sophia, die Mutter der drei, hat nach dem Tod ­ihres Mannes ihre Heimatstadt Mailand verlassen. In Rom erlitten sie Anfang des zweiten Jahrhunderts unter Kaiser Hadrian das Martyrium. Weitere Einzelheiten sind leider nicht verbürgt. Daher hat man die Geschichte durch Passagen aus dem Alten Testament und aus anderen Passionsberichten ergänzt.

Fides, Spes und Caritas
Fides, Spes und Caritas
Foto: Archiv
Russische Ikone: Sophia (hinten) mit (von links): Spes, Fides und Caritas.

Die Grundidee steht im 7. Kapitel des 2. Makkabäerbuchs: Sieben Brüder starben vor den Augen ihrer Mutter für ihren Glauben, so wie Fides, Spes und Caritas vor den Augen ihrer Mutter gemartert und umgebracht wurden.

Dass man so wenig sicher weiß, hat frühere Generationen nicht an der Verehrung gehindert. Bischof Remigius von Straßburg brachte Ende des 8. Jahrhunderts den Leichnam von Sophia aus Rom nach Eschau, südlich von Straßburg. Über dem Sarkophag in der Kirche von Eschau befindet sich eine Holzskulptur aus dem 15. Jahrhundert, die Sophia mit ihren drei Töchtern in zeitgenössischen Gewändern von Edelfrauen darstellt.

Kommt im Märtyrerbericht den Töchtern der Vorrang zu, da die Mutter eines natürlichen Todes stirbt, so drängt die „Mutter", nämlich Sophia – übersetzt: Weisheit – in den Vordergrund, wenn man auf die Bedeutung der Namen schaut. Schon im Judentum wurde Weisheit personifiziert. Im östlichen Christentum wurde Christus als die Ewige Weisheit des Vaters verehrt und ihm geweihte Kirchen „Hagia Sophia" (Heilige Weisheit) genannt, beispielsweise in Thessaloniki, Sofia, Kiew und Nowgorod. Die bekannteste ist die ­Hagia Sophia in Konstantinopel beziehungsweise Istanbul.

Barbara Henze